Ausstellung von Armando
Vieldeutige Kunstwerke

Münster -

Wer das Krameramtshaus im Haus der Niederlande betritt, und damit die Ausstellung des niederländischen Künstlers Armando, wird von einem großformatigen Gemälde in erdigen Braun- und Ockertönen empfangen. Ein wehrhafter Turm ist darauf zu sehen – passend für eine Ausstellung, die den Titel „Grenzgänger“ trägt.

Mittwoch, 26.09.2018, 17:50 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 26.09.2018, 17:50 Uhr
Im Jahr 2010 malte der niederländische Künstler Armando das wuchtige, erdfarbene Gemälde „Der Turm“. Die Bronzeskulptur entdeckt der Besucher im Eingangsbereich.
Im Jahr 2010 malte der niederländische Künstler Armando das wuchtige, erdfarbene Gemälde „Der Turm“. Die Bronzeskulptur entdeckt der Besucher im Eingangsbereich. Foto: pn

Dieser ist, auf den Künstler bezogen, bewusst vieldeutig. Denn erstens hat Armando, der am 1. Juli dieses Jahres 88-jährig in seiner Wahlheimat Potsdam verstarb, in vielen künstlerischen Disziplinen seine Spuren hinterlassen – wie in der Schau etwa der Auszug eines Theaterdialogs zeigt. Und zweitens war Armando auch politisch ein Grenzgänger. In Amersfoort, wo die Nationalsozialisten ein polizeiliches Durchgangslager betrieben, erlebte er als Kind die Greuel des Zweiten Weltkrieges . Und als nach dem Krieg die Niederländer ihre Landsleute als Unterstützer und Kollaborateure inhaftierten, als dort Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern wurden, beobachtete Armando auch dies. Ein Konflikt, der ihn nie wieder losließ.

Der Turm als Attribut der Macht also? Wer in der vom Haus der Niederlande initiierten Ausstellung die erste fast raumbreite Stellwand passiert, die den Blick in den Raum des Krameramtshauses versperrt, stößt dort auf teils sehr düstere Bilder. Auf das Werk „Der Zaun“ (2012) etwa – ein Symbol der Aus- und Abgrenzung schlechthin. Ein Stacheldraht-Bollwerk steht dort in unwirtlicher Landschaft. Ein Relikt von Kamp Amersfoort? Oder, wie im Faltblatt zu lesen, ein Sinnbild für die „Aktualität der geopolitischen Grenzbeziehungen“? Alle Lesarten sind möglich.

Dass Armando immer auch auf der Suche nach dem war, was sich hinter der Fassade verbirgt, zeigt auch das Gemälde „Gestalt“: Statt eines eindeutigen Bildes zeigt sich als Motiv ein gespaltenes, ein vom Spiegel reflektiertes Ich. Die Bronzeskulptur im Eingangsbereich wiederum steht für das Ambivalente im Menschen: Mit hohlen Augen und geöffnetem Mund könnte die Figur sowohl Täter als auch Opfer sein.

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Ausstellung „Grenzgänger“, bis 28. Oktober im Haus der Niederlande (Krameramtshaus), Alter Steinweg 6-7.

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Zur Person:

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Der Künstler Armando (geboren 1929 in Amsterdam) lebte und arbeitete in Amstelveen und Potsdam, wo er am 1. Juli dieses Jahres 88-jährig verstarb. Als bildender Künstler, Schriftsteller, Journalist, Bildhauer, Dichter, Musiker und Theatermacher hat er ein beeindruckendes Oeuvre geschaffen. 1982 nahm er an der documenta 7 in Kassel teil, 1984 vertrat er den Niederländischen Pavillon auf der 41. Biennale di Venezia. 1996 wurde er zum Mitglied der Akademie der Künste Berlin berufen.

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