„Wilhelm Tell“ im Großen Haus
Apfelschuss vor Schneelandschaft

Münster -

Die Schauspiel-Eröffnung im Großen Haus des Theaters Münster mit „Wilhelm Tell“ am Samstag ist aus vielerlei Gründen bemerkenswert. Erstens: Nach „Die Räuber“ und „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ ist es die dritte Schiller-Inszenierung, die die Handschrift des Schauspieldirektors Frank Behnke trägt. Zugleich ist es diesmal kein Frühwerk des Autors des deutschen Sturm und Drang. Und, noch erstaunlicher: Nach 1945 ist das Stück am Theater in Münster nie wieder gespielt worden.

Mittwoch, 26.09.2018, 17:50 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 26.09.2018, 17:50 Uhr
Szene mit Jonas Riemer (oben) als Wilhelm Tell und Christoph Rinke als Geßler.
Szene mit Jonas Riemer (oben) als Wilhelm Tell und Christoph Rinke als Geßler. Foto: Oliver Berg

Friedrich Schiller erzählt in seinem Drama aus dem Jahr 1804 von einem Land, das unter einem autoritären Herrscher leidet. Willkür, Unterdrückung, Schikane und feige Anpassung sind an der Tagesordnung. Auch der todesmutige Schütze Wilhelm Tell muss erst von seinen Landsleuten zum Handeln getrieben werden, spielt er doch viel lieber die Rolle des braven Familienvaters. Erst als er selbst Opfer der Willkür des mit eiserner Hand regierenden Landvogts Geßler wird, greift er zur Waffe.

Doch ist Tell wirklich der strahlende Freiheitsheld? Dies hinterfragt Behnke in seiner Inszenierung dieser „unglaublichen Geschichte“, die er als „wahnsinnig wirkmächtig“ beschreibt – weil sie so viele mythologische und biblische Anklänge in sich berge. Behnke fasziniert zudem, dass Schiller – ein „Kind des Absolutismus“, das Ende des 18. Jahrhunderts beim Schreiben „die Blutspur der Französischen Revolution noch im Nacken spürte“ – damals bereits über Wege einer friedlichen Revolution nachdachte.

Auf diese Utopie hin abgeklopft, trägt Schillers letztes vollendetes Stück für Frank Behnke „fast schon Brechtsche Züge“. Und mit der drängenden Frage, wann Zivilcourage gefordert ist, wann Freiheit also zu politischer Teilhabe führen muss, verweist das Drama für den Regisseur zwingend auf die gesellschaftliche und politische Gegenwart in Deutschland.

„Wir erzählen auch die Rezeptionsgeschichte der Tellschen Figur, die vom eigenen Mythos überrollt wird“, verrät Behnke weiter. Kaum eine Figur sei in der Vergangenheit so oft als Heldenfigur instrumentalisiert worden. Heute würden Begriffe wie „Freiheit“ oder „Zurückeroberung der eigenen Rechte“ vornehmlich von nationalistischen Kräften im Lande missbraucht – auch davon wird das Stück handeln.

Elf Schauspieler agieren laut Behnke auf der Bühne des Großes Hauses in einer Schneelandschaft – in Doppelbesetzung oder als chorische Gruppe. Humor und Brechungen hat Behnke gegen Pathos gesetzt. Jonas Riemer, der schon den Fiesco spielte, wird als Wilhelm Tell zu sehen sein. Christoph Rinke übernimmt den Part des Gegenspielers Geßler.

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Für die Premiere am Samstag (29. September) gibt es noch Restkarten an der Theaterkasse, '  5909 100. Die nächsten Aufführungstermine: 6., 9., 12., 18. und 26. Oktober um 19.30 Uhr, am 28. Oktober um 15 Uhr

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