Junges Theater zeigt „Was das Nashorn sah . . .“
Einmischen oder weggucken?

Münster -

Als kürzlich Schüler einer fünften Klasse die Probe zum neuen Stück des Jungen Theaters Münster besuchten, war Regisseur Thomas Hollaender erstaunt: „Die Schüler wussten um die historischen Hintergründe ziemlich genau Bescheid.“ Was bei dem Stück nach dem Buch von Jens Raschke – „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ – nicht vorauszusetzen ist. Schließlich handelt das Erzählstück für Kinder ab zehn Jahren von Tieren im Zoo des Konzentrationslagers Buchenwald, den es tatsächlich gegeben hat. „Doch es geht im Stück nicht um die Umstände im KZ, sondern um das Hinschauen und Weggucken“, darauf weist Hollaender hin. Am Sonntag (7. Oktober) ist Premiere.

Freitag, 05.10.2018, 18:04 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 05.10.2018, 18:04 Uhr
An einen Affenfelsen erinnert die abstrakte Bühnenkonstruktion, in der das Ensemble des Jungen Theaters das neue Stück spielt.
An einen Affenfelsen erinnert die abstrakte Bühnenkonstruktion, in der das Ensemble des Jungen Theaters das neue Stück spielt. Foto: Oliver Berg

Vier Erzähler, die auch in die Tierrollen schlüpfen, so schildert Hollaender , werden zu Beginn auf der Bühne beschreiben, worum es geht. Ein junger Bär, der in Sibirien gefangen wurde, stößt zu den anderen Tieren im Zoo – und wundert sich, dass es „Gestiefelte“ (Wächter) und „Gestreifte“ (Gefangene) jenseits des Zaunes gibt. Er beginnt, Fragen zu stellen und sich einzumischen. Sein Antagonist ist der Pavian, der Chef im Zoo, dessen Mantra lautet: „Was jenseits des Zaunes passiert, geht uns nichts an.“ Er will den Bären dazu bringen sich rauszuhalten.

Es geht inhaltlich um die Frage nach Zivilcourage. Diese Botschaft, so Hollaender, sei auch ohne das Wissen um die geschichtlichen Hintergründe verständlich. Poetisch, mit rhythmischer Sprache ausgestattet, kommt das Stück daher, das auf einer abstrakt eingerichteten Bühne spielt. Trotz des ernsten Inhalts ist es auch komisch, „weil zum Teil sehr naive Fragen gestellt werden“, sagt Hollaender.

Und was hat es mit dem Nashorn auf sich, das zwar im Titel erscheint, aber nicht auf der Bühne? Es hat im Zoo etwas sehr Trauriges gesehen. Was genau, wird im Stück das Thema sein.

Zum Thema

Für die Premiere am Sonntag (7. Oktober) um 15 Uhr im Kleinen Haus, Neubrückenstraße 63, gibt es noch Restkarten an der Theaterkasse, '  59 09 100.

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