Einklang-Philharmonie im Jovel
Wie von der Erdenschwere befreit

Münster -

Es gibt Zitate, die eine globale Jahrhundertkarriere absolviert haben: „Freude schöner Götterfunken“ hält den Spitzenplatz. Jedermann fällt die dazu unterlegte Melodie ein, auch dann, wenn man gar nicht weiß, dass man sie kannte. Das vierte Konzert der Einklang-Philharmonie unter Joachim Harder im Jovel hatte Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 ins konzertante Zentrum gestellt – und im Titel „Götterfunken“ programmatisch integriert.

Montag, 08.10.2018, 22:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 08.10.2018, 21:56 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 08.10.2018, 22:00 Uhr
Solisten, zwei Kammerchöre und die Einklang-Philharmonie präsentierten Beethovens Neunte im Jovel.
Solisten, zwei Kammerchöre und die Einklang-Philharmonie präsentierten Beethovens Neunte im Jovel. Foto: Günter Moseler

Es begann mit „Der Vorstellung des Chaos“, dem instrumentalen Beginn des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Hier ist die Welt nur sinnlose Leere und die von Chromatik infiltrierte Musik doch so erfüllt wie ein erlösendes Versprechen. Es war, als ließen sich Orchester und Dirigent alle Zeit der Welt, als wären Trommelwirbel und Fortissimo-Repetitionen nur sich selber unbegreiflicher Schrecken vor der unbezwingbaren Glorie der Schöpfung.

Mit souveräner Autorität intonierte Zachariah Njoroge Kariithi (Bass) das Rezitativ „Am Anfange schuf Gott Himmel und Erde“, zart fädelten der „Kammerchor attacca“ und „Kammerchor Lamberti“ ihren Kommentar ein. Michael Mogl als Uriel bewies in der Arie „Nun schwanden vor dem heiligen Strahle“ flexible und geschmeidige Tenortöne für engelsgleiche Verkündung.

In höchste Höhen schraubte sich Sven-David Sandströms „Hear my prayer, o lord“. Clytus Gottwalds Chorfassung des Altsolos „Urlicht“ aus Gustav Mahlers „Auferstehungssinfonie“ spielte nicht nur auf die „Weltsinfonie“ an, sondern zog die Parallele zum Sündenfall. In „Immortal Bach“ von Knut Nystedt filterte der Chor am Ende die Dissonanzen aus der Musik wie Gift, bis alle Stimmen in klarstem Dur erstrahlten.

Dann Beethovens „Neunte“: Das Pianissimo-Mysterium der leeren Quinte, der sich lichtende Nebel um die Grundtonart, die düsteren Akkordschläge – an allen Pulten pulsierte das Weltdrama in d-Moll. Harder betonte im sehr zügig interpretierten Kopfsatz das „. . . un poco maestoso“ und schwor allem Heroischen ab, das Scherzo zog mit schroffer Rasanz vorüber, im „Adagio molto e cantabile“ bestachen große Linie und expressiv phrasiertes Melos. Mitreißend triumphal erklang der Finalsatz, boten Dirigent, Chöre, Orchester sowie Sophie-Magdalena Reuter (Sopran), Tina Drole (Alt), Michael Mogl (Tenor) und Zachariah N. Kariithi (Bass) eine schier von Erdenschwere befreite Interpretation. Die durch Erkenntnis geläuterte, berauschte Welt zog vorüber mit der Piccoloflöte im Alarmmodus und der Menschheit im Spielmannszug ins Paradies. Ovationen!

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