Buchmesse
Münsterland-Verlage zeigen in Frankfurt leider immer seltener Flagge

Frankfurt/Main -

Geschwundenes Interesse am Buch, aber auch die saftigen Standpreise haben manchem Anbieter die Freude an der Buchmesse vergällt. Es sind dennoch vor allem zwei größere Verlagshäuser, die nach wie vor deutlich Flagge zeigen: Unübersehbar ist der sich auf 120 Quadratmetern in Halle 3 gewohnt üppig und 2018 in ganz neuem Design präsentierende Coppenrath-Verlag als Global Player in Sachen Kinderbuch und Accessoires. 

Donnerstag, 11.10.2018, 17:29 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 11.10.2018, 17:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 11.10.2018, 17:29 Uhr
Im neuen Design: Der münstersche Coppenrath-Verlag, dessen Sprecher Thomas Rensing hier gerade in hauseigenen Novitäten blättert, präsentiert sich in Halle 3 der Frankfurter Buchmesse auf repräsentativen 120 Quadratmetern. Verleger Wolfgang Hölker schreibt seine Leitgedanken gerne auch mal auf Bretter, Planken und Türen, wie man deutlich sehen kann.
Im neuen Design: Der münstersche Coppenrath-Verlag, dessen Sprecher Thomas Rensing hier gerade in hauseigenen Novitäten blättert, präsentiert sich in Halle 3 der Frankfurter Buchmesse auf repräsentativen 120 Quadratmetern. Verleger Wolfgang Hölker schreibt seine Leitgedanken gerne auch mal auf Bretter, Planken und Türen, wie man deutlich sehen kann. Foto: Loy

Und Aschendorff mit seiner publizistischen Bandbreite von der regionalen Publizistik und Bildbänden aus Münster und dem Münsterland bis hinein in die feinen wissenschaftlichen Verästelungen von Theologie und Geschichte.

Es gab Zeiten, da fand der interessierte Besucher im Ausstellerverzeichnis der Frankfurter Buchmesse mühelos 20 bis 25 Verlage aus Münster und dem Münsterland. Vom Special-Interest-Kleinstverlag über das Antiquariat und den Buchregalbauer bis hin zum mittelständischen Wissenschaftsverlag oder internationalen Player. Auch die Fachhochschule Münster mit ihrem Fachbereich Design war Jahr um Jahr vertreten, um Autoren, Buchmacher und Illustratoren zusammenzubringen. Das Bild in Frankfurt 2018 hat sich deutlich gewandelt.

Schwund münsterländischer Präsenz

Geschwundenes Interesse am Buch, aber auch die saftigen Standpreise (vier Quadratmeter kosten annähernd 1500 Euro, bei 16 ist man schon mit fast 10.000 Euro dabei) haben manchem Anbieter die Freude an der Messe vergällt. Es sind dennoch vor allem zwei größere Verlagshäuser, die nach wie vor deutlich Flagge zeigen: Unübersehbar ist der sich auf 120 Quadratmetern in Halle 3 gewohnt üppig und 2018 in ganz neuem Design präsentierende Coppenrath-Verlag als Global Player in Sachen Kinderbuch und Accessoires. Daran angeschlossen sind der Wolfgang-Hölker-Verlag und „Die Spiegelburg“ mit erlesenen Büchern rund um Lifestyle, Haus und Küche. Im fliegenden Wechsel kommen täglich zehn bis 15 Mitarbeiter des Verlages nach Frankfurt: „Alle sollen die Messeatmosphäre erleben und Kontakte knüpfen“, unterstreicht Pressesprecher Thomas Rensing.

Und dann natürlich der Aschendorff-Verlag, eine Etage höher in Halle 3.1, mit einem nicht zu übersehenden Stand an der Kopfseite und mit einer publizistischen Bandbreite von der regionalen Publizistik und Bildbänden aus Münster und dem Münsterland bis hinein in die feinen wissenschaftlichen Verästelungen von Theologie und Geschichte, die gerade auch das große Renommee des Verlages im universitären und akademischen Bereich ausmachen.

Generationenwechsel, Verkleinerung, Spezialisierung, aber auch Insolvenz mit anschließender Überführung in neue Verlagshäuser oder Sparzwang: Die Gründe für den Schwund münsterländischer Präsenz auf der anderen Seite sind vielfältig. Landwirtschaftsverlag, Oktoberverlag, Agenda, Laumann aus Dülmen – sie alle sind nicht in Frankfurt dabei. Präsent ist Daedalus, und Verleger Joachim Herbst zeigt sich nach seinem Stand-Umzug happy, dass er nun ganz in der Nähe von Suhrkamp seine Novitäten anbieten kann.

Buchmessen-Party abgesagt

Typisch für die 70. Ausgabe der Frankfurter Buchmesse sind übrigens die Gerüchte um Schwund und Ärger. Zum Beispiel das „Ondit“, dass die Buchmesse manchen Verlagen offenbar noch auf den letzten Drücker dicke Rabatte anbot, um die Hallen vollzukriegen. Was wiederum jene, die sich früh und pünktlich melden, verdrießt. Ärger bereitet auch nicht zum ersten Mal die Tatsache, dass Bücherkisten zwischen Auspacken und Messestart verschwinden. Manche wittern im Gefolge der Putzkolonnen mafiöse Banden, die Bücher klauen und anschließend billig im Internet verhökern.

Die Zeiten für das Buch werden, das ist unverkennbar, stürmischer. Denn dem Buchmarkt sind durch Internet und soziale Medien die Kunden weggebrochen. Zwischen 2013 und 2017 hat die Branche, so wurde vor Beginn der Frankfurter Leistungsschau publik, 6,4 Millionen Käufer – 18 Prozent der Kunden – im Publikumsmarkt verloren. „Verlage und Buchhandlungen arbeiten intensiv an neuen Ideen, um Menschen für Bücher zu begeistern“, so wendet der Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, die Eintrübung in Aufbruchsstimmung: Die Branche erwarte die Buchmesse daher „voller Tatendrang“. Manche Lücken der Buchmesse, deren Wachstum einzig durch das gestiegene Interesse ausländischer Verlage zustande ­kommt, wurden aber, wie Insider berichten, offenbar auch durch üppigere Stände größerer Zeitungshäuser geschlossen.

Einige Literaturverlage sind dabei verstärkt mit sich selbst beschäftigt. Wie etwa Rowohlt. Der Rauswurf von Verlegerin Barbara Laugwitz vor wenigen Wochen sowie die überraschende Verpflichtung von Journalist und Autor Florian Illies („Generation Golf“, „1913“) als Nachfolger hat zum Aufstand prominenter Autoren geführt. Viele äußerten sich entsetzt. Verwunderung über Holtzbrinck kam auch von den Zugpferden des Verlags: von Daniel Kehlmann über Jonathan Franzen bis hin zu Martin Walser. Auch dies beschäftigt die Messe. Bei Rowohlt wurde mal eben, wie auch bei S. Fischer, die alljährliche Buchmessen-Party kurzerhand abgesagt.

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