Stephan Us: „Zer O walk“ durch Münster
Rückkehr zur Null

Münster -

Für die einen ist sie total wichtig, für die anderen hat sie keinen Wert: die Null. Für Stephan Us stellt diese Ziffer das „Zentrale im Zen­trum“ dar.

Donnerstag, 11.10.2018, 18:48 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 11.10.2018, 18:48 Uhr
Sein Blick ist nicht auf das Smartphone gerichtet: Stephan Us konzen­triert sich bei seinem Gang durch die Stadt auf die Null.
Sein Blick ist nicht auf das Smartphone gerichtet: Stephan Us konzen­triert sich bei seinem Gang durch die Stadt auf die Null. Foto: Ralf Emmerich

Für die einen ist sie total wichtig, für die anderen hat sie keinen Wert: die Null. Für Stephan Us stellt diese Ziffer das „Zentrale im Zen­trum“ dar. Der Münsteraner lief am Mittwoch barfuß die Form einer Null vom Spiekerhof aus durch die Innenstadt und trug dabei eine aus 24 Karat Blattgold veredelte Metall-Null in der Hand.

Mit dem „zer O walk“ (Zero, englisch für Null) startete seine neue Performance-Reihe, die aus fünf Projekten besteht. Das Themenfeld des „Nichts“ und verwandte Bereiche (wie die Leere und die Stille) sowie die Auseinandersetzung mit einem offenen Wir in der Gesellschaft und der japanische Schattentanz „Butoh“ prägen seine künstlerischen Bewegungen.

Hinter der Idee der gelaufenen Null steckt für Us der Gedanke, dass der Null in der Gesellschaft – vor allem in der Wirtschaft und im Zeichensystem der digitalen Welt – eine hohe Bedeutung zugeschrieben wird. Die Null an sich hat jedoch keinen Wert. Stephan Us: „Die vergoldete Null soll die Menschen dazu aufrufen, zur Leerstelle, also zur Null, zurückzukehren, um wieder neutral entscheiden zu können. Ich bin durch die Innenstadt von Münster gegangen, weil genau dort viele Entscheidungen (zum Beispiel in der Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kunst) getroffen werden. Die meisten Menschen entscheiden leider häufig nach den ‚Regeln des Systems‘, anstatt ‚leer‘ zu entscheiden.“

Stephan Us’ Null-Runde würde normal 30 Gehminuten dauern. Sein Schreiten durchs Zentrum dauerte vier Stunden. Der Sog der alltäglichen Hektik habe es ihm aber nicht möglich gemacht, die geplante Zeit von sechs Stunden auszuschöpfen. Einige Begegnungen mit Menschen bestätigten ihn, dass es wichtig ist, in einer konsumorientieren Gesellschaft immer wieder zur wertvollen Null zurückzukehren.

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