„Politics of dancing“ im Pumpenhaus
Bodytalk ist nicht zimperlich

Münster -

Dass Politiker im Wahlkampf auf der Bühne stehen, ist nichts Ungewöhnliches. Dass sie es zusammen mit einer Theatergruppe tun, schon eher. Noch dazu mit den Tanz-Rabauken von Bodytalk.

Freitag, 12.10.2018, 17:44 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 17:44 Uhr
Das Ensemble und der SPD-Politiker Wolfgang Ressmann bringen Politik und Tanz auf der Bühne zusammen
Das Ensemble und der SPD-Politiker Wolfgang Ressmann bringen Politik und Tanz auf der Bühne zusammen Foto: Osvaldo Ventriglia

Dass Politiker im Wahlkampf auf der Bühne stehen, ist nichts Ungewöhnliches. Dass sie es zusammen mit einer Theatergruppe tun, schon eher. Noch dazu mit den Tanz-Rabauken von Bodytalk. Eingelassen hat sich auf dieses Experiment Wolfgang Ressmann, SPD-Kandidat für das Europa-Parlament. Herausgekommen ist „Politics of dancing“, eine ebenso hochtourige wie gnadenlose Performance, die das Verhältnis von Politik und Tanz untersucht.

Nachdem das Ensemble die Zuschauer im Pumpenhaus mit Händeschütteln und vertrauensbildendem Anfassen eingestimmt hat, ist Ressmann an der Reihe. Für Europa spricht er sich aus und gegen Nationalismus, für Frieden und gegen Krieg. Das klingt wie ein Programm und dürfte so ziemlich der einzige Text sein, den er zum Stück beigetragen hat. Dann übernimmt Bodytalk und beschwört tänzerisch die Idee der Demokratie von der Französischen Revolution bis heute. Man müsse den Tanz in die Mitte der Gesellschaft bringen, dann werde aus gesellschaftskritischem Tanz Gesellschaftstanz, so die ironische Schlussfolgerung.

Bevor Ressmann wieder ins Spiel kommt, wird ihm die demütigende Situation von freien Tänzern bei Auditionen vorgespielt. Chronische Unterfinanzierung und Selbstausbeutung werden thematisiert. Das Ganze mündet in einen wilden Tanz, zu dem einer der Protagonisten Forderungen nach einer besseres Welt ins Mikrofon brüllt und dann den Politiker gewissermaßen in Geiselhaft nimmt. Gefesselt, mit nacktem Oberkörper und einem Knebel aus Klopapier im Mund, wird Ressmann vom Ensemble traktiert. Es ist seine Demontage als Politiker, die hier stattfindet. Und man muss ihm Respekt zollen, dass er sich so hautnah darauf einlässt.

Bodytalk ist nicht zimperlich, was die ästhetischem Mittel betrifft. Wie schon in früheren Stücken geht es auch in „Politics of dancing“ zupackend, laut und deutlich zu. Und wenn es sein muss, ein bisschen geschmacklos. Dass sie auch anders kann, zeigt die Truppe um Yoshiko Waki und Rolf Baumgart, wenn sie nach den grausamen Spiel eine Tänzerin in einer riesigen Luftblase über die Bühne rollen lässt. Allerdings platzt dieser romantisch anmutende Traum ziemlich schnell, und am Ende der Aufführung steht die vehemente Forderung: „Mehr Tanz für alle – bedingungslos!“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6118331?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Brutale Drogenbande in Haft
Nicht nur Marihuana, sondern auch scharfe Waffen und viel Munition fanden die Fahnder, als sie die Mitglieder des Drogenrings „9090“ festnahmen.
Nachrichten-Ticker