„24 Stunden Münster“ im Kammertheater „Kleiner Bühnenboden“
So weit die Sinne tragen

Münster -

Die Idee habe ihr sofort gefallen: „Wer geht schon um drei Uhr nachts ins Theater?“, schmunzelt eine Besucherin und rührt in ihrem Kaffee. Aus Westerkappeln ist sie extra zum Theater-Ereignis „24 Stunden Münster“ angereist. Mittlerweile ist es acht, an einem strahlenden Morgen. Wie viele der im 60-Minuten-Takt passierenden Aufführungen sie jetzt noch verfolgen wird, lässt sie offen. Niemand drängt, entschieden wird spontan.

Montag, 15.10.2018, 18:50 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 14.10.2018, 18:08 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 15.10.2018, 18:50 Uhr
Plausch unter Gästen, Schauspielern und Organisatoren (v.l.): Christian Schneider, Florian Bender, Cornelia Kupferschmid, Carola von Seckendorff, Hanno Endres und Adam Riese freuen sich über die zweite Runde von „24 Stunden Münster“.
Plausch unter Gästen, Schauspielern und Organisatoren (v.l.): Christian Schneider, Florian Bender, Cornelia Kupferschmid, Carola von Seckendorff, Hanno Endres und Adam Riese freuen sich über die zweite Runde von „24 Stunden Münster“. Foto: Müller

Beim zweiten Durchlauf des schillernden szenischen Bilderbogens der Domstadt kann David Braun an der Kasse im Kleinen Bühnenboden registrieren, wie das Publikum sich das überwältigend wirkende Mammut-Programm individuell zurechtlegt. Der theoretisch existierende 24-Stunden-am-Stück-Zuschauer ist noch nicht gesichtet worden. „Die Buchungen sind sehr unterschiedlich. Mal nur eine Stunde, meist aber vier bis fünf hintereinander.“ Da die gleichen Inhalte an fünf verschiedenen Terminen und Theatern gezeigt werden, bestehen vielfältige Möglichkeiten, die Aufführungsserie in selbst gewählte Staffeln aufzusplitten. Christian Schneider hat es bislang wie viele der Besucher gemacht: einen für ihn günstigen Einstieg gewählt und sich von den folgenden Stücken mitziehen lassen. „Die Zeit verflog“, erzählt er begeistert, „obwohl mich manches zunächst nicht sehr interessiert hat.“

Zuschauer nutzen aber auch die Chance, ihre Favoriten mehrmals zu verfolgen. „Ich schaue mir auf jeden Fall noch einmal ‚Prinzessin A‘ an,“ sagt Schneider und meint ein Stück, das anhand des langjährigen Rechtsstreits des Bühnenbodens mit einer Anwohnerin beispielhaft die Frage nach einer friedlichen Koexistenz von Kultureinrichtungen und Innenstadtbewohnern aufwirft. Das wirkt am Ort des Konflikts natürlich besonders authentisch.

Dass das Ambiente eine Rolle spielen kann, hat auch Heike Prahm beobachtet, die die Performance „Ein Wanderer in Münster“ schon im Wolfgang Borchert Theater erlebte und nun im Bühnenboden neue Eindrücke gewann. Als besonders reizvoll empfindet sie am Konzept von „24 Stunden Münster“ die stete Herausforderung, das Dargestellte mit der äußeren Welt abzugleichen und umgekehrt. Dabei setzt sie sich mitunter selbst Pausen, damit die Wirkung der Stücke sich setzen und reflektiert werden kann.

„Ich habe schon viele tolle Sachen gesehen“, schwärmt der bekannte Showmaster und Vollblutmünsteraner Adam Riese, schwer beeindruckt von der Zusammenarbeit der Theater und Ensembles und darum gleichzeitig enttäuscht, dass die Resonanz bislang nicht größer ausgefallen ist. Aber das kann sich noch ändern. Darauf hoffen selbstredend auch die beiden Leiterinnen des einzigartigen Projekts, Carola von Seckendorff und Cornelia Kupferschmid, die schon jetzt durch den Austausch und die Synergien, die sie bewirkt haben, zwar kein finanzielles, aber ein immenses ideelles und schöpferisches Plus verbuchen dürfen.

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