„Klanglandschaft Armenien“ im Pumpenhaus
Ein rauschhafter Abend

Münster -

Die Musik spielt überall – aber nicht überall gleich oder auch nur ähnlich. Unter dem prosaischen Titel „Klanglandschaft Armenien“ bot das „Naghash Ensemble“ ein Projektkonzert des amerikanisch-armenischen Komponisten John Hodian, der in seiner Musik „volkstümliche armenische Klänge mit Neuer Klassik, Postminimalismus und unbändiger Jazzenergie“ vereint.

Montag, 15.10.2018, 18:50 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 15.10.2018, 18:50 Uhr
Das „Naghash Ensemble“ präsentierte armenische Musik mit magischen Stimmen.
Das „Naghash Ensemble“ präsentierte armenische Musik mit magischen Stimmen. Foto: Günter Moseler

Die Musik spielt überall – aber nicht überall gleich oder auch nur ähnlich. Unter dem prosaischen Titel „Klanglandschaft Armenien“ bot das „Naghash Ensemble“ ein Projektkonzert des amerikanisch-armenischen Komponisten John Hodian, der in seiner Musik „volkstümliche armenische Klänge mit Neuer Klassik, Postminimalismus und unbändiger Jazzenergie“ vereint. Armenien zählt zu jenen „stillen“ Ländern der Welt, an deren Existenz man sich eher selten mit positiven Schlagzeilen erinnert. Die Gelegenheit bot das Konzert in der Reihe „Klanglandschaft“, die ab sofort im Pumpenhaus beheimatet ist.

Vielleicht nicht zufällig schien an diesem Armenien-Abend rhythmischer Elan maßgeblich und fiebriges Melos eher ein Ruhepunkt inmitten ruheloser Musik. Im Ensemble entfesselte sich kunstvoll polyphoner Gesang, der wie improvisierend losgelöst von Metrum und Takt, doch rhythmisch nie aus der Spur geriet. Obwohl klassisch tonal, klang die Musik nach fernliegenden Systemen und ungreifbarer Kausalität. Jede Körperfaser der drei Sängerinnen, Hände und Mienenspiel schienen Bestandteil von Tanz und ritueller Anrufung zugleich.

Zu Texten des armenischen Dichters Mkrtich Na­ghash (1394-1470) hat Hodian eine Musik geschrieben, die neben traditionell orientierter Melismatik armenische Nationalinstrumente wie den Duduk stilbildend integriert. Selbst der Elektrosound des von Hodian gespielten Keyboards wirkte wie von Folklore gestreift, verschränkten sich Vergangenheit und Gegenwart in populärer Symbiose.

Die Musik jonglierte ihren Stilmix mit virtuosem Temperament, die düster-dunkel mahnenden „al-fresco“-Gedichte Naghashs über Leben im Exil und gerechte Lebensführung („Klammere dich nicht an die Dinge dieser Welt / Sie sind nichts als Träume und Lügen“) klangen so wie von revoltierender Aufruhr erfasst. Der hohle Klang der Duduk-Flöte betonte meditative Grundierung, die Dhol (Röhrentrommel) verlieh der Musik perkussiven Drive, die Oud (Kurzhalslaute) mischte besänftigende Töne ins Geschehen. Plötzliche Pausen im Me­trum setzten Akzente wie Schrecksekunden vor dem Abgrund. Erhöhte Spannung überall. Die irreguläre Rhythmik armenischer Volksmusik wie beharrliche Ostinato-Technik sicherten Hodians Kompositionen ihren folkloristischen Grundcharakter, die Stimmen verliehen ihnen Magie. Ein rauschhafter Abend verhaltener Ekstatik.

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