„TanzPoeten“ im Pumpenhaus
Lebenswelten rappend ausgelotet

Münster -

Warum kommen gute Ideen immer dann, wenn man schon den Schlafanzug anhat? Diese Frage stellt sich einer der Protagonisten zu Beginn der Aufführung. Trotz der scherzhaften Formulierung drückt sie eine allgemeine Misere aus – die der Orientierungslosigkeit. Und sie bezieht sich nicht nur auf das Handeln, sondern auch auf das Denken und Verstehen. Insbesondere, wenn es neben der einen Wirklichkeit eine zweite gibt, die als Fiktion und Fake News durch die sozialen Netzwerke geistert. Wie man mit einer solchen Situation umgeht, ist das Thema von „TanzPoeten“, einer Collage aus Musik, Tanz und Poesie, die am Wochenende im Pumpenhaus zu sehen war.

Mittwoch, 24.10.2018, 18:24 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 21.10.2018, 16:50 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 24.10.2018, 18:24 Uhr
Szene aus der Collage „TanzPoeten“ im Pumpenhaus
Szene aus der Collage „TanzPoeten“ im Pumpenhaus Foto: jas

„ProArtiSt Youngsters“ nennt sich die Gruppe junger Künstler um Regisseurin Bettina Henningsen. Ihre Domäne ist der Hip-Hop. Tanzend und rappend loten sie ihre Lebenswelten aus und schaffen es dabei, die Subkultur, die einst von der Straße kam, bühnenfähig zu machen.

Es sind Miniaturen, die jeder der acht Protagonisten entwickelt und die sich am Ende zu einem stimmigen Ganzen verbinden. Themen wie Rassendiskriminierung und Merkels „Wir schaffen das“ werden ebenso angeschnitten wie die Suche nach einer eigenen Position in einer immer komplexer werdenden Welt. „Ich brauche eine Pause vom Denken“, so der resignative Refrain eines Rappers.

Tänzerisch ist das breite Spektrum des Hip-Hop vertreten. Im Pulsschlag des Herzens bewegen sich die Protagonisten durch den Raum, mal als Solisten, mal in der Gruppe. Als roboterhaftes Wesen wird ein Tänzer vom Schlagzeug über die Bühne gepeitscht. Eine Tänzerin liegt im Clinch mit einem Gedicht und wird dabei von ihren eigenen Worten zu Boden gedrückt. Zwei Kampfhähne zelebrieren eine ironische Männerfreundschaft, ein anderes Paar tritt zum Breakdance an und verwandelt den Kampf in einen Pas de deux. Harmonie und Ausdruck bestimmen jetzt den Tanz, nicht mehr Protzerei und Wettbewerb.

Eigentlich hat Hip-Hop schon lange einen festen Platz im modernen Tanztheater. Aber meist wird er von den Choreografen nur als Schmuckwerk oder gewollter Stilbruch eingesetzt. Bei Henningsen und ihrem achtköpfigen Ensemble ist das anders. Durch das Zusammenwirken mit Poesie kann er sich hier als eigenständige und ernstzunehmende Kunstform behaupten.

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