Monika Kopplin legt im November die Leitung des Lackkunstmuseums nieder
Ihre Sammlung setzt Maßstäbe

Münster -

Einen Monat noch, dann wird Prof. Dr. Monika Kopplin ihr Büro im Obergeschoss des Lackkunstmuseums räumen, das ihr stets einen „freien Blick auf die Baumkronen und die Jahreszeiten“ garantierte. Und das ihr, obwohl das Haus vom städtischen Verkehrsstrom umgeben ist, Ruhe spendete. Die ist im gesamten Museum an der Windthorststraße spürbar – angesichts der Lackkunst-Preziosen, die dort so unaufdringlich wie elegant von ihrer manchmal tausendjährigen Geschichte erzählen. 25 Jahre lang war Monika Kopplin, Jahrgang 1953, die Seele dieses Hauses. Am 25. November nun wird sie nach 25 Jahren an der Spitze des Museums, das zum BASF-Coatings-Konzern gehört, mit einer Feierstunde im Rathausfestsaal verabschiedet.

Freitag, 26.10.2018, 16:32 Uhr aktualisiert: 30.10.2018, 18:22 Uhr
Prof. Dr. Monika Kopplin vor dem Kabinettschrank des Dresdner Hoflackierers Martin Schnell im Lackkunstmuseum
Prof. Dr. Monika Kopplin vor dem Kabinettschrank des Dresdner Hoflackierers Martin Schnell im Lackkunstmuseum Foto: pn

Ganz geheuer ist ihr dieser Abschied nicht. „Das ist hier alles so Teil meines Fleisches, meines Blutes und meiner Seele, dass mir vor der Umstellung schon etwas bange ist“, sagt Kopplin – um sogleich wieder Pragmatismus walten zu lassen: „Ich muss mich künftig einfach zwingen, Distanz zu halten.“ Schwer vorstellbar bei dieser international anerkannten Expertin für Lackkunst, die das Museum im zurückliegenden Vierteljahrhundert zur ersten Adresse für Künstler, Sammler, Restauratoren und Wissenschaftler gemacht hat.

Wer in ihre großen Fußstapfen tritt? „Eine Dame“, verrät Monika Kopplin. Mehr nicht. Inwieweit sie sich in Zukunft – „bei Bedarf und auf Wunsch“ – noch für das Museum engagiert, bleibt abzuwarten. „Ich vertraue einmal mehr auf den Einfallsreichtum des Lebens“, sagt sie vielsagend. Ihr Terminkalender für dieses Jahr sei ohnehin proppenvoll. Aktuell betreut Kopplin zum Beispiel eine Chinesin, die an der Universität der französischen Stadt Lyon an ihrer Dissertation zum Thema Lackkunst arbeitet

Und schon im Januar steht im Lackkunstmuseum die Präsentation eines spektakulären Sammlungsankaufs an, den Kopplin zuletzt noch getätigt hat. Wie die Schenkung von 80 Siegelbehältnissen, Inros genannt, durch eine private Sammlerin, die „unsere japanische Sammlung weit nach oben katapultiert hat“, ist auch der jüngste Neuzugang für sie ein „Geschenk des Himmels“. Es handelt sich um einen Münzschrank aus der Berliner Hofwerkstatt Gérard Daglys (1660-1715), der zurzeit restauriert wird. „Wir füllen mit ihm eine Sammlungslücke, von der ich nie gedacht hätte, dass sie gefüllt werden kann“, freut sich Kopplin. Um dann lobende Worte für das Unternehmen zu finden, das sich „stets als Förderer dieses Kunstzweigs“ erwiesen habe: „Die Verantwortlichen haben bei allen Projekten, nicht nur bei Ankäufen, zu hundert Prozent meinem Votum vertraut.“ Das hat einen Sammlungsaufbau bewirkt, der seinesgleichen sucht. 540 Objekte wurden unter der Ägide von Kopplin erworben, Schenkungen inklusive. „Das ist für den Bereich Lackkunst enorm.“

Sowohl zu den Sammlern („eine verschworene Gemeinschaft“) als auch zu Künstlern, Restauratoren und Wissenschaftlern, die nicht zuletzt wegen der von Kopplin aufgebauten erstklassigen Fachbibliothek an die Tür des Museums klopften, hielt sie stets engen Kontakt. „Es kam immer irgendwer zu Besuch“, sagt Kopplin und spricht von einem „wunderbaren und beglückenden Aspekt meiner Arbeit“. „Die teils sehr persönlichen Verbindungen zur ,Lackfamilie’ sind neben der wissenschaftlichen Arbeit und dem Ausbau der Museumssammlung das, was mich am weitesten in die Zukunft tragen wird“, ist Kopplin überzeugt. Gäste aus 20 Ländern, die zu ihrer Verabschiedung erwartet werden, sprechen für sich.

Und wie sieht sie das Museum heute in Münster verankert? „Es ist schwierig geblieben, das besondere Sammelgebiet dieses Hauses zu vermitteln“, sagt Kopplin mit aller Vorsicht. „Wir müssen weiter werben“, schreibt sie auch ihrer Nachfolgerin ins Stammbuch. Die rote Lackfluss-Treppe zur Windthorststraße hin hat in ihren Augen jedoch für große Außenwirkung gesorgt.

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