„Move Him Into the Sun“ von Marion Wood uraufgeführt
Klare Anti-Kriegs-Botschaft

Münster -

Der Erste Weltkrieg war der brutalste, den der europäische Kontinent bis dahin erlebt hatte. Millionen Menschen starben, die meisten als das, was man mit dem grauslichen Wort „Kanonenfutter“ benannte, darunter unzählige Künstler. Ihr Talent ging in den Schützengräben unter – so auch jenes des englischen Dichters Wilfried Owen, der am 4. November 1918 umkam. Drei seiner Gedichte liefern die Keimzelle für den sechsteiligen Chorzyklus „Move Him Into the Sun“ aus der Feder von Marion Wood, der am Sonntag in der voll besetzten Überwasserkirche erstmals erklang.

Montag, 05.11.2018, 17:14 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 05.11.2018, 17:14 Uhr
Marion Wood
Marion Wood Foto: Barbara Plenge

Wood ist eine äußerst vielseitige Musikerin, die in den letzten Jahren in Münster bereits mehrfach mit bemerkenswerten Aktivitäten auf sich und ihre musikalischen Mitstreiter aufmerksam gemacht hat. Auch jetzt wieder. Mit einer klaren Anti-Kriegs-Botschaft von universalem Anspruch. Dabei stellt Wood den englischen Owen-Gedichten Verse deutscher Dichter an die Seite: von August Stramm, Walter Flex und von Goldfeld, von dem man weder Vornamen noch Lebensdaten kennt. Klanglich bewegt sich die Komponistin dabei in einem deutlich erweiterten Dur-Moll-Schema, motiviert von einem hohen Maß an Expressivität in Bezug auf das vertonte Wort. Da läuten in der „Hymne für verlorene Jugend“ die Totenglöckchen, später kreischt ein Schwarm grauer Wildgänse, der sinnbildlich steht für das ebenso graue Heer „in Kaisers Namen“.

Harsche Reibungen wechseln sich ab mit gelösten, ruhigen und von stiller Hoffnung erfüllten Sequenzen – keine unüberwindlichen Schwierigkeiten für das von Wood dirigierte Vokalensemble „Tonfarben“. Denn das erwies sich als stimmlich gut konditioniert, ausgewogen und sensibel im Umgang mit den Texten, die im Programmheft nachzulesen waren, zusätzlich aber auch noch rezitiert wurden, leider ohne Hilfe eines Mikrofons.

Weitaus empfindlicher störte der unnötige Beifall des Publikums nach jeder einzelnen der Gedichtvertonungen – so brach die konzentrierte Atmosphäre der Musik jedes Mal von Neuem zusammen. Applaus voll und ganz verdient hatten allerdings Bratschist Iberê Carvalho und das Streichorchester für Herbert Howells „Elegy“ ganz zu Beginn des Programms – ein durch und durch bewegendes Stück.

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