Jan Decorte zeigte „Hamlet 0.2“
Staub, Stille und feine Komik

Münster -

Alles ist weiß – das Urinal in der Bühnenmitte, die kleine Mauer rechts und die Unterhosen der Schauspielerinnen. Weil das offenbar noch nicht reicht, holen diese jetzt einen Eimer Mehl und stäuben auch noch ihren Körper ein, während Jan Decorte, Regisseur und Urheber des Ganzen, mit schwarzem BH am Bühnenrand sitzt und sich ein Stäubchen von den Schuhen wischt. Erst später wird er durch Heulen und andere kleine Aktionen zum Bühnengeschehen beitragen.

Montag, 12.11.2018, 18:38 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 11.11.2018, 16:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 12.11.2018, 18:38 Uhr
Alles ist weiß, nur Regisseur Jan Decorte setzt den schwarzen Kontrapunkt am Rand.
Alles ist weiß, nur Regisseur Jan Decorte setzt den schwarzen Kontrapunkt am Rand. Foto: Danny Willems

„Hamlet 0.2“ steht im Pumpenhaus auf dem Programm. Man kann das erst mit Shakespeare in Verbindung bringen, nachdem sich der Staub gelegt hat und Sigrid Vinks in der Rolle des vergifteten Vaters Rache für seinen Tod fordert. Das wiederum bringt Lisah Adeaga als Hamlet in Verlegenheit, da dieser bekanntlich von zögerlichem Charakter ist. Aber Ellis Meeusen als Ophelia findet ebenfalls, dass es Handlungsbedarf gibt. Also nimmt das Drama seinen Lauf. „Und es reimt auch noch“, wie es an einer Stelle heißt.

Ansonsten wird neben charmant ins Deutsche übersetzten Text auch Englisch und Französisch gesprochen. Aber insgesamt eher wenig. Decorte beschränkt sich sprachlich auf das Nötigste und schlägt dabei einen legeren Umgangston an, sodass ein Großteil der Aufführung in Stille abläuft, nur akzentuiert von minimalistisch gehaltenen Tanzbewegungen. Erstaunlicherweise steigert das zurückgenommene Tempo die Spannung zusätzlich. Das Drama wird auf seine Essenz eingedampft. Alles Gerede ist schmückendes Beiwerk und kann weg. Diese Reduktion findet ihre Entsprechung im Darstellerischen. „Jetzt liege ich hier tot“, sagt Ophelia und taucht den Kopf in eine Schüssel voll Wasser.

Gegen Schluss der konzentrierten und mit feiner Komik gespickten Inszenierung umwickelt Decorte die Schauspielerinnen mit einem roten Faden, den er zu einem komplizierten Netzwerk knüpft. Es könnte der rote Faden sein, der ihn seit 40 Jahren durch die Beschäftigung mit dem Stück leitet. Allerdings deutet das „0.2“ im Titel an, dass es sich auch hier nur um eine Beta-Version handelt. Und tatsächlich schneidet Vinks am Ende den Faden mit einer Schere durch und verwandelt sich in eine blutrünstige Elektra, die die Wahrheit als etwas beschwört, das mit dem Fleischermesser durch die Schlafzimmer der Menschen gehen wird.

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