Amateurbühne Münster-Ost zeigt gefeierte „Aschenputtel“-Premiere
Verzauberter Patchwork-Haushalt

Münster -

Dem Prinzen (Matthias Nowak) wird sichtlich mau, als er mit seiner Entourage zur Schuhanprobe anrückt und der hysterischen Schwestern Ludmilla (Judith Hillebrand) und Evelina (Jule Fellerhoff) gewahr wird. Immerhin weiß jeder, der das Märchen „Aschenputtel“ kennt, dass die Devise „Was nicht passt, wird passend gemacht“ keineswegs Erfolg garantiert.

Montag, 12.11.2018, 18:38 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 11.11.2018, 16:24 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 12.11.2018, 18:38 Uhr

Das erlebt eine fiktive Schulklasse in der Amateurbühne Münster-Ost aus nächster Nähe. Erst finden die Schülerinnen und Schüler das Unterrichtsthema „Märchen“ öde, dann tauchen sie unter Führung ihrer Lehrerin ( Daniela Hölker ) zusehend in eine faszinierende, verzauberte Welt ein und kommentieren das Geschehen: Ganz schön umständlich, dass der Prinz Ausrufer übers Land schicken muss, um eine Braut zu suchen. Wie wäre das wohl mit einer Dating-App gelaufen?

Mit ihrer Neufassung der vom früheren Bühnenleiter Hardy Ruhkamp entworfenen Version des Märchens haben Kerstin Lemper und Claudia Bröring dem vielköpfigen Ensemble ein durchaus komplex angelegtes Stück Familienunterhaltung aufgegeben, das hinreißend umgesetzt wird. Rund 130 Mitwirkende aller Altersgruppen sind an dieser traditionell üppigen und mit viel Liebe ausgestatteten Inszenierung beteiligt.

In Aschenputtels (Laura Koshtanjevac) Patchwork-Haushalt, in dem die giftig gemeine Stiefmutter (Petra Neuhaus) das Zepter schwingt, herrscht reges, oft plüschig-wuseliges Treiben. Das wiederum nutzt zu wilden Jagden nicht nur die über Eck erweiterte Bühne, sondern auch das Auditorium: „Alle rasten aus“, singen die Akteure in einem schmissigen Lied, und die herrlich aufgedrehte Atmosphäre evoziert eine Art „Rocky Horror Picture Show“ für Kinder.

Manuel Roreger als gemütvoller Hund Emil spielt sich ruckzuck in die Herzen der kleinen, aber auch großen Zuschauer. Mit seinem Rudel kleiner Köter gehört er zu den treuen Seelen, die dem gepeinigten Mädchen beistehen. Auch mit den Mäusen steht sie sich gut, die sich vor der boshaften Katze Arina (Paulina Klöker) und ihrer Nachwuchs-Gang fürchten müssen. Und natürlich sind da die Tauben, die anmutig heranschweben, um Linsen zu picken und Aschenputtels Abendgarderobe aus dem verzauberten Baum auf dem mütterlichen Grab zu besorgen. Auch in den lyrischen oder sehr kindgerechten Momenten überzeugt das Stück der Amateurbühne Münster-Ost, das in seiner gekonnten Verschmelzung mehrerer Erzählebenen sogar der Textkritik Platz einräumt: „Bin ich jetzt wirklich ganz umsonst gekommen?“ fragt die gute Fee (Beate Isken-Göttfert) eingeschnappt, die eilig quer durch das Auditorium stakst.

Lehrerin Frau Schneider doziert, sie sei im falschen Stück, und worin sich das Grimmsche „Aschenputtel“ von Disneys „Cinderella“ unterscheidet. „Du könntest meine Hausaufgaben machen“, ruft ihr ein Schüler hinterher, als sie wieder davonflattert.

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