„Ur-Ruhr“ vom Theaitetos-Trio
Schicht im Schacht

Münster -

Eine Kabeltrommel quietscht ein Duett mit einem Gebläsepropeller. Diese Welt scheint verlassen, menschenleer, nur noch erfüllt von Geräuschen einer sich selbst überantworteten Maschinerie. Ist es ein Lied vom Tod, das hier gespielt wird? Oder eine Auftakt?

Montag, 19.11.2018, 18:41 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 18.11.2018, 16:34 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 19.11.2018, 18:41 Uhr
Das Theaitetos-Trio malocht musizierend in Quartett-Stärke.
Das Theaitetos-Trio malocht musizierend in Quartett-Stärke. Foto: Wolfgang A. Müller

Eine Gitarre mischt sich wohlklingend ein, eine Erzählung entspinnt sich: Alles habe sich verändert, hebt Bernd Kortenkamp an. Doch seine hilflos in den Bildern von Schrämmaschinen und „krachenden Kegelbrechern“ Halt suchende Geschichte hat keine Chance. Ein grotesker Marsch stampft über sie hinweg. Schicht im Schacht: Der Bergbau im Ruhrgebiet ist erledigt. Und das vierköpfige (!) Theaitetos-Trio widmet ihm mit „Ur-Ruhr“ im Kreativ-Haus den bizarrsten Schwanengesang, eine von Soundscapes in Lieder und zurück in irrwitzige Vorträge wogende dadaistische Revue.

Wenn Kortenkamp, Posaunist Helmut Buntjer, Organist Johannes Dolezich und Gitarrist Udo Herbst ein Bergmannslied intonieren, bleibt vom fröhlichen Steiger nicht viel mehr als eine keuchend Aplerbecker Luft inhalierende Staublunge. Suggestive Klänge malen eine gewaltsam umbrochene Landschaft, über die trübe „Wolkenknechte“ ziehen und unter der ein gespenstisches, düsteres Alternativuniversum existiert. Ein Murmeln, dumpfes Pfeifen, ein Wind aus dem Nirgendwo herrscht dort. Und ein nachvollziehbares Gefühl der Beklemmung entweicht der eindrucks- und geheimnisvollen Klangskulptur aus Schrott, die Kortenkamp mit Trommelstock und Geigenbogen liebevoll malträtiert.

„Wir bissen uns in den Stollen hinein“, liest Thomas Schulz, Gast-Rezitator bei der Münster-Premiere der zuvor im Rahmen der Reihe „RuhrKunstMuseen“ aufgeführten Performance. Seine Worte erheben sich wie ein Mantra, psychedelisch aufgeladen von geradezu durchdrehenden Orgelläufen: „Der Beißer steigt zum Koks-Verzehr!“ Sein Fabulieren scheint völlig aus dem Ruder zu laufen, als er unheimliche Begegnungen unter Tage schildert – mit „Schabrackendackeln“, die vom Geist König Ludwigs vertrieben werden. Ein Text, als ob Ernst Jandl, Kurt Schwitters und Werner Hansch gemeinsam Drogen genommen hätten. Eine zarte Elegie tröstet am Ende: Diese Welt ist tot, aber ihre architektonischen Andenken bleiben. Oberirdisch.

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