50 Jahre Blechbläserensemble an der Apostelkirche
Wie heißer Atem eines Drachen

Münster -

Die Innenstadt leuchtete wie eine erste Weihnachtsprobe – da klang das Jubiläumskonzert „50 Jahre Blechbläserklang“ unter Volker Gundermann in der Apostelkirche wie feierliche Rückbesinnung. Kein Platz war leer geblieben.

Dienstag, 20.11.2018, 15:58 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 19.11.2018, 18:41 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 20.11.2018, 15:58 Uhr
Seit einem halben Jahrhundert sorgen die Blechbläser an der Apostelkirche für festliche Musik.
Seit einem halben Jahrhundert sorgen die Blechbläser an der Apostelkirche für festliche Musik. Foto: Günter Moseler

Die Innenstadt leuchtete wie eine erste Weihnachtsprobe – da klang das Jubiläumskonzert „50 Jahre Blechbläserklang“ unter Volker Grundmann in der Apostelkirche wie feierliche Rückbesinnung. Kein Platz war leer geblieben, noch ist nicht das Fest der Feste in nächster Nähe, aber die Atmosphäre . . . Strahlendes Licht, massive wie zarte Trompeten-, Posaunen- und Tubatöne suggerierten einen festlichen Impetus, der alles verband: Musik, Glauben und Zuversicht.

Nomen est omen: „Festchoral und Fanfare“ von Thomas Schütte eröffneten das Konzert mit schmetternder Verve, jeder Ton und Akkord schien hier auf den Punkt getroffen und gleichzeitig orchestral über sich hinaus zu wachsen. Dagegen zeigte sich Heiko Schultz‘ „Mythrus“ taktweise introvertierter, bevor im Kopfsatz („Allegro“) aus Charles-Marie Widors Orgel-Symphonie Nr. 6 op.42 die Orgel vom Schlagzeug flankiert wurde: Schon in den ersten Takten krachte es von der Empore, als drohte ein verfrühter „Jüngster Tag“. Simon Brüggeshemke mobilisierte schallende Register und kannte im Handgemenge vollgriffiger Akkordik, irrlichternder Skalen wie sportiver Pedalsprünge keinen Kleinmut; Kai Finke und Martin Wassermann erwiesen sich als flinke Herolde imperial auftrumpfender Orgelmusik.

„Friends for life“ von Dizzy Stratford entfaltete hymnischen Grove, „Komm Herr, segne uns“ (1981) von Dieter Trautwein erinnerte an Zeiten, als die Kirche sich swingende Herzen erobern wollte. Die folgende Improvisation Brüggeshemkes ließ Musikalität und furiose Virtuosität des jungen Interpreten blitzen, dessen symphonisch disponierter Feuerzauber die Ott-Orgel schier abheben ließ. Danach die zweite Strophe des Trautwein-Liedes sowie Jürgen Pfiesters „Opus 20 Mix“, der mittels diverser Motive aus Ludwig van Beethovens Septett op.20 das Original inklusive „Happy-Birthday“-Zitat aus den Angeln hob. Trompeten zogen jazzige Glissandi quer durch die Partitur, Tuben hinterließen Fußstapfen wie Elefanten und Posaunen tauchten Beethovens fesche Musik ins alttestamentarisch Legendenhafte.

„Tough Stuff“ (Hartes Zeug) von Michael Schütz erwies seinem Titel Referenz, die Blechbläser-Crew lenkte mit wuchtigem Elan das Stück durch jede rhythmische Steilkurve, überaus wendig in Artikulation und Phrasierung. Zum Schluss der Kracher „Jubilee!“ von Grundmann („Es wird jetzt noch etwas lauter!“), über dem ein Hauch „Star Wars“ schwebte, und der Gong klang wie der heiße Atem eines Drachen nach. Gigantisch!

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