Theater mit allen Sinnen zeigt „Der gute Tod“
Wie frei ein Menschen im Sterben ist

Münster -

Bernhard hat Krebs im Endstadium. Weil er sich das qualvolle Sterben nicht antun will, beschließt er, seinem Leben aktiv ein Ende zu setzen. In den Niederlanden, wo das Stück spielt, darf man das. Am Vorabend des Todes versammeln sich die Angehörigen in seinem Haus – die beiden Brüder, die erwachsene Tochter, die Geliebte und der befreundete Arzt mit den Spritzen. Sie müssen lernen, mit der Situation umzugehen. Aber auch untereinander gibt es einiges aufzuarbeiten

Donnerstag, 22.11.2018, 18:56 Uhr
  Bringen ein schwieriges Thema auf die Bühne (v. l.): Johanna Kollet, Ulrich Bärenfänger, Andreas Ladwig, Petra Grycova, Stefan Nászay und Konrad Haller.
  Bringen ein schwieriges Thema auf die Bühne (v. l.): Johanna Kollet, Ulrich Bärenfänger, Andreas Ladwig, Petra Grycova, Stefan Nászay und Konrad Haller. Foto: Erich Saar

Bernhard hat Krebs im Endstadium. Weil er sich das qualvolle Sterben nicht antun will, beschließt er, seinem Leben aktiv ein Ende zu setzen. In den Niederlanden, wo das Stück spielt, darf man das. Am Vorabend des Todes versammeln sich die Angehörigen in seinem Haus – die beiden Brüder, die erwachsene Tochter, die Geliebte und der befreundete Arzt mit den Spritzen. Sie müssen lernen, mit der Situation umzugehen. Aber auch untereinander gibt es einiges aufzuarbeiten.

„Der gute Tod“ von Wannie de Wijn ist ein Stück über Sterbehilfe. Es geht um Selbstbestimmung und die Frage, wie frei ein Mensch im Angesicht des Todes sein kann. In Franz Bernhard Schrewes Inszenierung, die am Mittwochabend im Pumpenhaus Premiere hatte, werden diese Fragen in Form eines mitunter klaustrophobisch wirkenden Kammerspiels diskutiert. Dabei ist dieses Gefühl der Enge nicht nur der kleinen Bühne im Foyer geschuldet, sondern auch dem Denken der Protagonisten, die sich allzu gut kennen und jetzt nach längerer Zeit wieder aufeinandertreffen.

Da ist zum Beispiel Bernhards Bruder Michael, ein agiler Geschäftsmann, der früher ein Verhältnis mit dessen jetziger Freundin Hannah hatte und sofort Erbschleicherei wittert. Konrad Haller und Johanna Kollet liefern sich hier Verbalschlachten, die genau dahin gehen, wo es dem anderen wehtut. Auch Petra Grycova als Tochter Sam blickt eifersüchtig auf Hannah, die ihrem Vater so viel näher zu stehen scheint als sie selbst.

Andreas Ladwig agiert als befreundeter Arzt äußerlich betont ruhig, während er innerlich schwer mit seiner Rolle als Todbringer zu kämpfen hat. Für einige heitere Momente, die bei genauerem Hinsehen aber gar nicht so heiter sind, sorgt Stefan Nászay als autistischer Bruder Ruben. Und in diesem Gefühlschaos soll sich Bernhard auf seinen Tod vorbereiten? Ulrich Bärenfänger in der Rolle des Todgeweihten versucht es mit Whiskey und einer letzten Zigarette, weil er sonst nichts hat, an das er sich halten kann.

Mit „Der gute Tod“ (deutsch für „Euthanasie“) ist Schrewe und seinem Ensemble eine beeindruckende Inszenierung über ein schwieriges Thema gelungen. Das Stück ist gut gespielt, hält die Spannung über die gesamten zwei Stunden und liefert reichlich Stoff für anschließende Diskussionen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6209271?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Remis für DFB-Elf gegen Serbien: Generation Umbruch noch auf der Suche
Bayern-Star Leon Goretzka (3.v.r) bejubelt sein Tor zum 1:1 mit seinen Mannschaftskollegen.
Nachrichten-Ticker