Ralph Ruthes Cartoons
In der engen Welt des Aquariums

Münster -

Für Besitzer eines Aquariums ist klar: Dem Abenteuerdrang eines Fisches sind hier enge Grenzen gesetzt. Die lockende „Welt da draußen“ scheint nur einen Flossenschlag entfernt, ist aber unerreichbar, Leitungswasser ersetzt kein Meer, Wasserpflanzengestrüpp keine Strandpromenade, Fototapeten sind leicht zu durchschauen – ein Fischleben, das ist „business as usual“!

Sonntag, 25.11.2018, 18:04 Uhr aktualisiert: 26.11.2018, 17:58 Uhr
„Für Comiczeichner sind Comics Filme im Kopf“, sagt Ralph Ruthe beim Auftritt in der ausverkauften Aasee-Aula in Münster.
„Für Comiczeichner sind Comics Filme im Kopf“, sagt Ralph Ruthe beim Auftritt in der ausverkauften Aasee-Aula in Münster. Foto: dpa

Die Show „Shit happens!“ des Cartoonisten und Comiczeichners Ralph Ruthe versteht den Miniaturkosmos der Fische als Parabel fürs existenzielle Absurdistan aller „kleinen Katastrophen“ menschlichen Daseins. „Fische und Menschen bewegen dieselben Dinge“ lautete das Motto in der ausverkauften Aasee-Aula.

Zur Logik der Ruthe-Comics gehört aber auch, Katastrophen auf Sparflamme zu halten: Auf der Leinwand erschien Gevatter Tod, der samt Sense in der Hohlkreuzkurve einer Achterbahn einem schockstarren Fahrer entgegenrast und Fantasieängste ebenso symbolisiert wie die Astronautin, die auf dem Mond ihrem Kollegen alltägliche Nöte beichtet: „Sag, findest du mich zu fett?“. Dabei sehe der Alltag eines Comic-Zeichners eher entspannt aus, versicherte der lässig auf einem Barhocker hockende Ruthe und klickte zum Beweis Cartoons durch: Ruthes Alter ego im schneeweißen Bettchen, als grimmiger Affe am Laptop, lachend von Einfällen überfallen, mit seinen (Klein-)Kindern Richtung Zoo hetzend, in Popcorn-Tüten vor Netflix-Serien versenkt – bis der Teufel ihm einen Vertrag unter die Nase hält: Shit happens!

„Ich möchte zeigen, wie man eine Idee in einem Bild filtern kann“, erklärte Ruthe und betonte, wie wichtig die Identifikation des Lesers damit sei. In der komprimierten Welt des Aquariums hadern sodann die Fische Barry (White) und Sting mit einer roten Mauer (Aquariumsdeko?). Und Maulwürfe, die dem Bagger von der Schaufel gesprungen sind, bedauern ihren glücklosen Nachbarn: „Ach guck, die Neumanns ziehen um!“. „Für Comiczeichner sind Comics Filme im Kopf“, bekannte Ruthe und nannte „Werbeparodien“, in denen „Meister Proper“ ins falsche Werbecasting schlittert, die Milka-Kuh Kartoffelsalat anpreist und Kellerasseln von Adidas-Schuhen ins Jenseits befördert werden, als Beispiele. Hinten, in der rechten Ecke, warfen Scheinwerfer den Schatten Ruthes an die Wand: ein Doppelgänger auf dem Sprung in den nächsten Cartoon.

Im Publikum saßen die Eingeweihten, die blitzschnell alle Gag-Chiffren entzifferten. Aber schön war es doch!

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