Packende Aufführung der „Misa Tango“
Latin-Rhythmen in der Kirche

Münster -

Der im letzten Jahr 84-jährig verstorbene Komponist Luis Bacalov war Argentinier – und als solcher hing sein Herz am Tango. Seine „Misa Tango“ wurde 1999 uraufgeführt und hat einen Siegeszug angetreten, der sie am Sonntag auch in Münsters Erphokirche führte. Die Klangwucht von zwei Chören (Konzertchor und Philharmonischer Chor Münster) sowie des Sinfonieorchesters Münster unter Golo Bergs spannungsreicher Stabführung riss das Publikum zu rauschendem Beifall hin.

Montag, 26.11.2018, 16:10 Uhr
Bandoneon-Spieler Stephan Langenberg (v. l.) mit Inna Batyuk, Golo Berg und Martin Henning, der neben Batyuk die Choreinstudierung innehatte.
Bandoneon-Spieler Stephan Langenberg (v. l.) mit Inna Batyuk, Golo Berg und Martin Henning, der neben Batyuk die Choreinstudierung innehatte. Foto: Arndt Zinkant

Zuvor hatte Chorleiterin Inna Batyuk fein abgetönte Chorklänge (des Konzertchors) mit Musik von Gabriel Fauré dirigiert. Bei den drei Stücken durfte natürlich Faurés berühmte „Pavane“ nicht fehlen. Diese Melange aus französischem Klangparfüm und vitalen Latin-Rhythmen machte den Abend zu einem Highlight, sogar für Puristen, deren Ohren sich bis Weihnachten noch durch so manche sakrale Fuge zu arbeiten haben.

In der „Misa Tango“ geht es erwartungsgemäß tänzerisch zu – wenn auch nicht so, dass hier der verruchte Wiegeschritt der Kneipen Buenos Aires’ ins Kirchliche überführt würde. Aber das Bandoneon (Stephan Langenberg) meldet sich gleich im elegischen, spanisch gesungenen Kyrie zu Wort und evoziert jene typische Tango-Melancholie, die durch Astor Piazzollas Musik die Welt erobert hat. Langenberg mischt sich so sensibel zwischen Münsters Streichergruppe, als wäre er dort zu Hause.

Zu Hause übrigens war Luis Bacalov in der Fremde, in Rom – wo er als Soundtrack-Schreiber für Italo-Western reüssierte (was das Programmheft verschweigt). Außerdem war Bacalov jüdischen Glaubens, weshalb er seine Messe bewusst „offen“ anlegte, auf dass sich auch Juden oder gar Muslime angesprochen fühlen könnten. Der Davidstern in der Erphokirche passt dazu.

Aber Bacalov wusste genau, in welcher Tradition er sich bewegt und versetzt der tradierten Form einen Adrenalinstoß nach dem andern. Allein das tänzerisch bewegte Gloria führt die Sakralmusik in jene einfache, ekstatische Stimmung, aus der sie womöglich einst kam. Und Golo Berg führt jedes Fortissimo-Finale auf den euphorischen Schlusspunkt. Judith Gennrich (Mezzoso­pran) und Filippo Bettoschi (Bariton) singen emphatische Soli. Und am Ende, wenn das Agnus Dei mit dem Wort „Paz“ (Frieden) endet, gelingt den Chören eine ebenso wunderbare Stimmung.

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