Ulrich Peters inszeniert „Kalle Blomquist“ als entspanntes Familienstück
Stimmungsvolle Verbrecherjagd

Münster -

Bunte Holzhäuser, Geranien vor den Fenstern, weiße Gartenmöbel und hohe, grüne Hecken: Die Atmosphäre in Kleinköping ist beschaulich und sommerlich-ruhig. Kein Wunder, dass sich Kalle Blomquist langweilt. Viel spannender wäre es doch, gemeinsam mit den Freunden Eva-Lotta und Anders als eine Art Mini-Sherlock-Holmes auf Verbrecherjagd zu gehen. Trenchcoat, Pfeife und Taschenlampe hat der Junge schon, fehlt nur noch ein Gangster – der tatsächlich nicht lange auf sich warten lässt.

Montag, 26.11.2018, 16:10 Uhr
Onkel Einar (Benedikt Thönes) erfährt wichtige Dinge aus der Zeitung – Kalle (Joachim Foerster) beobachtet ihn dabei.
Onkel Einar (Benedikt Thönes) erfährt wichtige Dinge aus der Zeitung – Kalle (Joachim Foerster) beobachtet ihn dabei. Foto: Oliver Berg

Onkel Einar (Benedikt Thönes) sieht man schon von weitem an, dass er nicht zur gutbürgerlichen Familie gehört. Mit gestreiftem Anzug, Dreitagebart und einer frischen Narbe im Gesicht macht er in der schwedischen Kleinstadt eine seltsame Figur, als er sich plötzlich unangemeldet bei Familie Lisander einmietet. Ein rücksichtsloser Typ, der die Kinder von oben herab behandelt und der Katze Blechdosen an den Schwanz bindet. Als er dem Trio zeigt, wie man mit einem Dietrich Türen öffnet, legt sich Spürnase Kalle auf die Lauer. Und als dann auch noch zwei halbseidene Figuren auftauchen, die Einar nachstellen, ist klar: der Mann hat ein Geheimnis. Keine Frage, dass die Kinder den Fall aufklären.

Münsters Intendant Ulrich Peters inszeniert Astrid Lindgrens „Meisterdetektiv Kalle Blomquist“ in der Bearbeitung von Eberhard Möbius im Großen Haus so, wie man es sich für ein Schauspiel der 1950er Jahre vorstellt: Frau Lisander führt den Haushalt mit Rüschenschürze über dem wadenlangen Kleid, die Jungs treten in kurzen Hosen und mit Hosenträgern auf, allein Eva Lotta (Rose Lohmann) widerspricht als starkes Mädchen, der Vorlage gemäß, dem klassischen Mädchen-Klischee.

Joachim Foerster in der Rolle des Kalle überzeugt durch seine Begeisterung, wenn er mit strahlenden Augen auf Verbrecherjagd geht. Anders alias Tom Ohnerast ist ihm ein quirliger Kumpel, Frank-Peter Dettmann macht als Gauner eine wohltuend komische Figur, Schutzmann Björk (Dominik Paul Weber) ist den Kindern ein väterlicher Freund.

Die Detektivgeschichte entwickelt sich stringent, aber unaufgeregt, ohne Schreckmomente und Überraschungen, so dass auch Sechsjährige das Geschehen entspannt verfolgen können. Umso faszinierender die große Bühne: Bernhard Niehotz verwandelt das schwedische Idyll im Handumdrehen in ein mit weißen Nebelschwaden durchwirktes, dunkles Gemäuer, mit leuchtenden Kinderzeichnungen an den Wänden und Hall-Akustik – wie gemacht, um gestohlene Juwelen zu verstecken und wiederzufinden, wenn Kalle spricht: „Verbrechen lohnt sich nicht.“

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