Auftakt der Vortragsreihe „Gelehrte im Theater“ zum Thema „Weimar“
Scheitern war nicht zwangsläufig

Münster -

„Es ist wieder Semestereröffnung!“, begrüßte ein Zuhörer strahlend einen Bekannten, denn am Montag startete die aktuelle Ausgabe der Reihe „Gelehrte im Theater“.

Dienstag, 27.11.2018, 18:10 Uhr
Dirk Schumann (l.) und Wolfgang Türk
Dirk Schumann (l.) und Wolfgang Türk Foto: Heike Eickhoff

„Es ist wieder Semestereröffnung!“, begrüßte ein Zuhörer strahlend einen Bekannten, denn am Montag startete die aktuelle Ausgabe der Reihe „Gelehrte im Theater“. Der Theatertreff war wieder bis zum letzten Platz gefüllt. „Weimar – Republik der Moderne“ heißt die aktuelle Reihe (konzipiert von Wolfgang Türk), die die Zuhörer bis Ende Juli 2019 mit hochkarätigen Wissenschaftlern in die Kultur der ersten demokratische deutsche Republik führen wird. Geschichte, Kunst, Literatur, Architektur, Kulturpolitik, Kino, Design, Philosophie, Malerei, Fotografie, Tanz und Ideologien der Zeit werden in 55 Vorträgen und Filmen die Weimarer Republik, die vor 100 Jahren ausgerufen wurde, erläutert. Während die Vorträge allesamt im Theatertreff stattfinden, lädt das Schlosstheater ab Januar zu Stumm- und Tonfilmen der Zeit.

Historiker Prof. Dr. Dirk Schumann (Universität Göttingen) eröffnete am Montag mit einer weit gefächerten fundierten Einführung in Vorgeschichte und Geschichte der Weimarer Republik. Ob uns die „Weimarer Jahre doch näher als lange angenommen“ seien, fragte er zu Beginn. Und setzte gleich schmunzelnd hinzu, dass er diese Frage erst am Ende des Vortrags beantworten werde.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die deutsche Gesellschaft dynamisch, die Bevölkerungszahl stieg stark an, die Städte wuchsen infolge der Indus­trialisierung, erklärte Schumann: „Hier bildete sich unsere moderne Lebenswelt in ihren Grundzügen heraus.“ Nach Ende des Kriegs 1918 trafen sehr unterschiedliche soziale Gruppen und Generationen mit ihren politischen Vorstellungen aufeinander, und nach einer „steckengebliebenen“ Revolution wurde die Republik ausgerufen. Schumann betonte, dass trotz der bekannten antidemokratischen Parteien und Gruppierungen die Weimarer Republik eine beachtliche Menge an demokratischem Potenzial aufwies und ein Scheitern nicht zwangsläufig programmiert war. Fast bis zuletzt hätte es Möglichkeiten gegeben, den Druck der Nazis einzudämmen – tragischerweise wurde dies nicht unternommen. Die Situation Deutschlands heute sei, bei allen aktuellen Anfeindungen, sehr viel stabiler, da Jahrzehnte der Demokratie, des Friedens und der wirtschaftlichen Sicherheit den Staat gestärkt hätten.

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