Premiere von „Storno 2018“ im Landeshaus
Raute bleibt Funkes Weihnachtsstern

Münster -

Schon der Beginn der Premiere sah ein bisschen nach Abschied aus. Immerhin war dies der erste satirische Jahresrückblick, nachdem „Angela die Erste und Einzige“ ihren Rückzug aus dem Amte angekündigt hatte. Da fragte sich jeder „Storno“-erfahrene Besucher: Wie wird es Harald Funke verkraften – der knuffige Kanzlerin-Flüsterer, der jede Show mit „Angie-Perücke“ zu beschließen pflegt?

Dienstag, 27.11.2018, 18:10 Uhr
Nahles, Angie und Horst in der „West Side Story“. Jochen Rüther fuchtelt mit Frankenstein-Händen herum, weil Seehofer im Programm mit dem Frankstein-Darsteller Boris Karloff verglichen wird.
Nahles, Angie und Horst in der „West Side Story“. Jochen Rüther fuchtelt mit Frankenstein-Händen herum, weil Seehofer im Programm mit dem Frankstein-Darsteller Boris Karloff verglichen wird. Foto: Arndt Zinkant

„Wie ist Merkels Restlaufzeit?“, fragte Thomas Philipzen sarkastisch. „Noch kürzer als ein Mann namens Funke“, erwiderte Jochen Rüther noch sarkastischer. Um es vorwegzunehmen: Die Perücke kam im Finale wie gewohnt zum Einsatz, denn noch ist der Kanzlerthron nicht verwaist und die Raute „Funkes Weihnachtsstern“.

Was an diesem Abend deutlicher denn je wurde: Storno ist Kult. Und jeder Kult hat seine Gemeinde. Als bei der Zugabe (wie üblich Leonard Cohens „Hallelujah“) das ganze Publikum im Landeshaus in sakraler Seligkeit mitsummte, fehlten eigentlich nur noch Kerzen und Feuerzeuge, um die Kabarett- in Kirchentags-Stimmung kippen zu lassen.

Dass Philipzen einst Paderborner „Messdiener-Taliban“ war, ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass die Spott-Priester Funke und Rüther ihre Welt durch eine grüne Brille betrachten. Für all jene Skeptiker aber, die mittlerweile aus der grünen PC-Kirche ausgetreten sind, bot das Programm denn auch so manchen Stirnrunzler . . .

Das begann beim Thema Hambacher Forst, das sich trefflich geeignet hätte, grüne Doppelmoral aufs Korn zu nehmen. Und setzte sich fort bei der Tabu-Zone Islam, die noch sorgfältiger umschifft wurde, als ohnehin auf Kabarett-Bühnen üblich. Für normale Besucher blieb also alles im „grünen Bereich“. Das Jubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht“ inspirierte das Trio zu einem gesungenen Tadel an männliche Haushalts-Muffel, welcher Claudia Roth Tränen der Rührung ins Auge getrieben hätte. Der kapitalismuskritische Diener für Karl Marx, der immerhin ein 200-jähriges Jubiläum zu bieten hatte, folgte auf dem Fuß.

Allerdings: Immer wenn die Storno-Schelme zu ihren eigentlichen Stärken finden, ist alles gut: Wenn Harald Funke seine legendären Song-Parodien von Abba bis zu Eminem hinausschmettert, fließt jede Lachträne zu Recht. Wenn Thomas Philipzen noch dreimal schneller schwätzt als der (in diesem Jahr verstorbene) Dieter Thomas Heck, hat das Zwerchfell Kirmes. Und wenn Jochen Rüther einmal mehr das Zepter der Kultur schwingt und zum Hundertsten von Lenny Bernstein ein „West Side Story“-Finale mit Angie, Horst und Nahles befiehlt, darf guten Gewissens „Hallelujah“ geseufzt werden.

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