Beate Rekers literarische Führung „Kopfgeburten – Hirngespinste“
Bis die Synapsen glühen

Münster -

„Wo ist mein Gehirn?“, fragt Beate Reker an diesem Abend mehrfach. Und fast möchte man ihr beherzt zurufen: „Im Kopf.“ Aber um ihr Hirn geht es ja gar nicht, sondern um das kleine, bunte Plastik-Gehirn mit den verschiedenen Arealen. Ein Demonstrationsobjekt, das in den nächsten 90 Minuten wahlweise mal auf dem Dach eines Londoner Taxis liegt und mal auf dem Rücken eines Schweins – „ein sehr intelligentes Tier“.

Freitag, 30.11.2018, 16:22 Uhr aktualisiert: 02.12.2018, 16:36 Uhr
Beate Reker in jenem Taxi, das beim literarischen Rundgang durch die Ausstellung „Das Gehirn“ eine überraschende Erkenntnis liefert.
Beate Reker in jenem Taxi, das beim literarischen Rundgang durch die Ausstellung „Das Gehirn“ eine überraschende Erkenntnis liefert. Foto: Christoph Steinweg/LWL

Um „Kopfgeburten – Hirngespinste“ geht es beim „Literarischen Gedankengang“ in der Ausstellung „Das Gehirn“ im LWL-Naturkundemuseum. 40 Zuhörer wohnen am Donnerstagabend der Premiere bei. Und die grauen Zellen müssen tüchtig arbeiten. Denn Rezitatorin Reker hat nicht nur viele Informationen über das Hirn in ihrer großen Mappe gesammelt. Sie hat auch zahlreiche Dichter und Denker bemüht, deren Geschichten, Verse und Schüttelreime die Großhirnrinde herausfordern und so Schlag auf Schlag folgen, dass die Synapsen am Ende glühen.

Mit der Erkenntnis „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“ geht es hinein ins komplexe Thema. Was einem Mann durch den Kopf geht, bevor er eine Zitrone kauft, lässt sie Autor Robert Wolfgang Schnell ergründen. Mit Christian Morgenstern begleiten die Zuhörer eine Schnecke bei ihrer langwierigen Entscheidung, ob sie ihr Haus verlassen soll. Und bei Joachim Ringelnatz sind die Gedanken frei, wenn er diese nach einer flüchtigen Begegnung verliebt auf Reisen schickt.

Dass sich in den Hirnarealen Londoner Taxifahrer Unerwartetes tut, wenn sie im Straßengewirr nach Orientierung suchen, nehmen vor allem jene erfreut zur Kenntnis, die sich für das Taxi in der Ausstellung interessieren. Spannend ist auch das Zusammentreffen mit Roboter „KIM“, der seine Liebe zum Maschinenmenschen MM7, einem frühen Vorläufer, bekundet. Leider vereitelt ein Fehler im Algorithmus fürs Verliebtsein ein Happy End. Köstlich ist hier auch Rekers Vortrag über die „Faulheit, verfasst von Thaddäus Troll.

Das Vogelgeplapper von Mascha Kalékos „Kaka-Du und Kaka-Sie“ lockt die Zuhörer ins Sprachzentrum. Palindrome ( wie „Reker“), Schüttelreime, aber auch kuriose Bedienungsanleitungen für Toaster lösen Gekicher aus. Beim Thema „Ich-Bewusstsein“ erläutert Reker, wie Descartes zu seiner berühmten Erkenntnis „Ich denke, also bin ich“ kam. Indem er womöglich in den Spiegel sah, wie es Robert Gernhardt in seinen Zeilen so launig tut („Seht mich an / der Fuß der Zeit / trat mir meine Wangen breit“).

Am Ende geht es ins Reich der Träume, wo Fontane („Nun trifft es mich, wie’s jeden traf. Ich liege wach, es meidet mich der Schlaf“) und Ringelnatz’ Kindergebetchen („Nimm meine Worte freundlich hin, weil ich schon sehr erwachsen bin“) für Erheiterung sorgen. Trotz des rauchenden Schädels.

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