Niederdeutsche Bühne präsentiert „Drei Manslüü in’n Snei“
Süffige Sause im Sauerland

Münster -

Wenn die „Drei Manslüü in’n Snei“ wie kleine Kinder in der weißen Pracht des Sauerlandes toben und dabei auch noch einen Schneemann aus Wattebällen bauen, ist die Stimmung bei der Premiere der Niederdeutschen Bühne auf dem Höhepunkt. Die muntere „Inkognito“-Geschichte um angeblichen und wahren Reichtum, vor allem aber über die Kraft der Freundschaft feierte am Freitag im Kleinen Haus Premiere. Freunde der niederdeutschen Sprache kamen in der flotten Inszenierung (Cornelius Demming) und mit der treffsicher von Hannes Demming ins Münsterländische Platt übertragenen Geschichte, die auf Erich Kästner zurückgeht, voll auf ihre Kosten.

Sonntag, 02.12.2018, 16:34 Uhr aktualisiert: 02.12.2018, 16:36 Uhr
Wiedersehen in Winterberg: Millionär Berkendorp (Hermann Fischer, M.) ist inkognito als armer Schlucker angereist. Sein Faktotum Johann (Hannes Demming, l.) begleitet ihn in der Maskerade des feinen Herrn. Dr. Hagedorn (Ulrich Tarner) hat den Hotelaufenthalt im Preisausschreiben gewonnen. Berkendorps Tochter Hilde (Grete Köckemann) und seine Hausdame (Monika Rappers) sind nachgereist, und der Hotelpage (Melvin Messmer) hantiert mit den Koffern.
Wiedersehen in Winterberg: Millionär Berkendorp (Hermann Fischer, M.) ist inkognito als armer Schlucker angereist. Sein Faktotum Johann (Hannes Demming, l.) begleitet ihn in der Maskerade des feinen Herrn. Dr. Hagedorn (Ulrich Tarner) hat den Hotelaufenthalt im Preisausschreiben gewonnen. Berkendorps Tochter Hilde (Grete Köckemann) und seine Hausdame (Monika Rappers) sind nachgereist, und der Hotelpage (Melvin Messmer) hantiert mit den Koffern. Foto: Oliver Berg

Wenn ein Millionär ( Hermann Fischer) lieber bodenständig bleibt, gern „witte Bauhnen med Wüörstkes“ verspeist und unerkannt reisen möchte, dann deuten sich Verwicklungen an. Kerstin Bayer (Bühnenbild) und Helgard Classen-Seifert (Kostüme) haben für den „Plot“ eine Szenerie geschaffen, die sowohl die Spielzeit (1950er Jahre) als auch den Spielort zwischen Münsterland und Winterberg trefflich zeichnet. Hier sieht das amüsierte Publikum, wie sich im Haus des betuchten Honorarkonsuls Eduard van Berkendorp die Chose nach einem von ihm selbst fingierten Reise-Preisausschreibens zielgerichtet entwickelt. Berkendorp weiht Tochter Hilde (Grete Köckemannn) und Hausdame (Monika Rappers) in seine Pläne ein – und natürlich sein Faktotum Johann ( Hannes Demming), der die Reise ins winterliche Sauerland als vornehmer Herr begleiten soll, damit Berkendorp selbst unbehelligt bleibt und studieren kann, wie er als vermeintlich „armer Schlucker“ behandelt wird. Freilich hat Tochter Hilde das Grand Hotel vorgewarnt, so dass sich Hoteldirektor Kühne (Heinz Bösing) und sein Portier Polter (Eckhard Frehe) auf eine „Einschleim-Tour“ vorbereiten können. Dass sie nun nicht Berkendorp, sondern den ersten Gewinner des Preisausschreibens, den arbeitslosen Akademiker Dr. Fritz Hagedorn (brillant: Ulrich Tarner), für den inkognito reisenden Millionär halten und Berkendorp als heruntergekommenen Herrn Schulze am liebsten hinauskomplimentieren wollen, bietet den Reiz des Stoffes.

Wenn Berkendorp alias Schulze, Johann als vornehmer Herr und Hagedorn als mittelloser Marketingexperte Freundschaft schließen und all das Getue um Geld und Reichtum affig finden, fühlt sich auch das Publikum zwischen Glitzer-Hotel und Skipiste bestens aufgehoben. Und verfällt in befreiendes Lachen, wenn die beiden grellen Damen im Hotel (herrlich überdreht: Heike van Schrick und Kathrin Henschel) dem vermeintlichen Millionär an die Wäsche gehen, um durch das Amouröse auch das Pekuniäre zu erlangen. Doch der junge Doktor, der einen Job sucht und sich daher bei Berkendorps Firma bewirbt, bleibt standhaft und verliebt sich – wie könnte es anders sein – in Hilde, die ihrem Vater besorgt nachgereist ist.

Wie in einer „Kummelge“ üblich, finden die Handlungsfäden ihre Auflösung, was sowohl die berufliche wie auch private Zukunft der jungen Generation betrifft. Die genauen Einzelheiten werden hier jedoch nicht verraten. Die Aufführung trifft den Ton, und wenn Berkendorp in einem Moment schmunzelnd von sich gibt, dass ein Millionär wie er „im Sauerland zur gehobenen Mittelschicht gehört“, dann ist der Bezug zum Sauerländer Friedrich Merz aktuell passend eingearbeitet. Mit dem Unterschied vielleicht, dass man dem netten Berkendorp, den Hermann Fischer vortrefflich spielt, das dicke Bankkonto von Herzen gönnt. Der Mann ist eben auf dem Teppich geblieben! Bliebe noch zu erwähnen, dass der Hotelpage (Melvin Messmer) vor dem zweiten Teil des Abends das Gedicht „Maskenball in de Biärge“ vorträgt, das Hannes Demming frei nach Kästners „Maskenball im Hochgebirge“ verfasst hat. Es karikiert geradezu philosophisch das bunte Treiben in der Winterlandschaft. Prasselnder Applaus.

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Nächste Vorstellung: Sonntag, 9. Dezember, 17 Uhr, Kleines Haus

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