Alle Jahre wieder Kult: Die „Weihnachtsshow“ von Impro 005
Bauanleitung fürs Einweckglas

Münster -

Weihnachten: Das ist der ultimative Stress- und Crashtest des Jahres, die Fitnessrallye für alle Sportskanonen und Festtagsmuffel, der Kalorien- und Krisengipfel für jedermann – und doch steigt alljährlich das Weihnachtslampenfieber. Ein traumhafter Weihnachtsbaum streckte sich auf der Theaterbühne im Kreativhaus der Decke entgegen, mit zahllosen Lichtern bestückt – wie früher! Darunter Geschenke – wie früher! Plötzlich rauschte ein Herr mit Rauschebart herein – wie früher! Sein Gefolge verteilte Glühwein ans Publikum: Die „Weihnachtsshow“ von Impro 005 war eröffnet!

Sonntag, 02.12.2018, 16:34 Uhr aktualisiert: 03.12.2018, 17:52 Uhr
Ein Geschenk, das stets gefällt. Die Impro-Virtuosen präsentierten ihre Weihnachtsshow.
Ein Geschenk, das stets gefällt. Die Impro-Virtuosen präsentierten ihre Weihnachtsshow. Foto: pd

Marcell Kaiser kämpfte als Weihnachtsmann mit Tücken seiner schneeweißen Bartpracht, Marcus Fischer klemmte sich hinters Keyboard, der Rest der Truppe saß am Seitenrand, jede Sekunde sprungbereit. „Wer will gesiezt werden?“, hatte der Weihnachtsmann noch gefragt, dann tauchte der gesamte Saal ab in ein familiäres „Weihnachts-Du“.

Bald war das Fest der Stille, der Eintracht und des Ernstes durchwoben von Ironie und Parodie, gerieten durch minuziöse Situationskomik klassische Absurditäten postmoderner Weihnachtseuphorie in den Blick. Impro-Szenen eskalierten zu Irrsinnsgeschichten, auf Pfiff und Zuruf wechselten Akteure und lenkten Szenen in neue, oft diametrale Richtungen. Im Sekundentakt sauste man vom Tango in ein Eifersuchtsdrama, in eine Lastwagenpanne, freute sich ein Vater über Sechslinge per künstliche Befruchtung: „Die schenk ich meiner Frau!“. Ein Polen-Duo (hinreißend: Jürgen Werner & Jan Sturmius Becker) haute einen Kasatschok hin und parlierte reinstes Fantasie-Polnisch, ein „Irak“-Duo (rassig: Irmhild Willenbrink & Marcus Loebe-Keuter) zerfloss schmachtend (!) unterm Weihnachtsbaum (!).

Den Umtauschmarathon als Festtagsnachspiel karikierte eine Szene, für die das Publikum insgeheim Einweckgläser bestimmt hatte. Jürgen Werner sollte sie als genervter Kunde reklamieren – ohne zu wissen was! Also beschwerte er sich über die „fehlende Bauanleitung“ und darüber, dass es „sich nicht bewegt hat“ – die Paradoxien verfehlten Schenkens prasselten nur so nieder. Danach sauste die Daily Soap „Nur die Liebe zählt“ durchs Banalitäten-Kabinett wie die „Weihnachtsgeschichte“ einer Zuschauerin, die, mit Hupe und Klingel bewaffnet, alle Impro-Virtuosen durch ihren persönlichen Heiligabend steuerte. Bei „Ich hab’ dich lieb“ frohlockte die Klingel, bei Nachfrage weiterer Geschwisterchen protestierte die Hupe. Mit Zipfelmütze wurde für das „Hospiz Lebenshaus Handorf“ gesammelt. Ovationen für ewige Wahrheiten über Weihnachten!

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Die nächsten Termine: 5., 6., 7. und 11. Dezember, jeweils um 20 Uhr im Kreativ-Haus

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