Orchesterkonzert der Musikhochschule
Jubel für zwei schwere Brocken

Münster -

Zwei junge Meister, zwei Konzertexamen, zwei „schwere Brocken“ – schon die Ankündigung ist beeindruckend: Viel mehr kann sich ein Klavierstudent für seinen akademischen Ritterschlag kaum vornehmen als ein Brahms-Klavierkonzert.

Mittwoch, 05.12.2018, 18:12 Uhr
Dirigentin Marion Wood (l.) dirigierte das Konzert mit den Solisten Ho Yel Lee
Dirigentin Marion Wood (l.) dirigierte das Konzert mit den Solisten Ho Yel Lee Foto: Arndt Zinkant

Zwei junge Meister, zwei Konzertexamen, zwei „schwere Brocken“ – schon die Ankündigung ist beeindruckend: Viel mehr kann sich ein Klavierstudent für seinen akademischen Ritterschlag kaum vornehmen als ein Brahms-Klavierkonzert. Ho Yel Lee und Siquan Fan taten es und spielten hintereinander das d-Moll-Konzert Nr.1 und das B-Dur-Konzert Nr. 2 – und die Zuhörer in der Aasee-Aula honorierten es mit jubelndem Beifall. Da muss man sich anschließen: Bravo!

Das Lob gilt auch dem Orchester der Musikochschule, das in den letzten Jahren immer mehr an Mitgliedern und an Qualität zugelegt hat. Ob warme Streicher oder kraftvolles Horn – die Zutaten stimmten, und Dirigentin Marion Wood balancierte das wunderbar mit den Solisten aus. Für die Musikliebhaber im Saal war nicht nur die fulminant bewältigte Prüfungen zu hören, sondern echter Brahms-Genuss.

Ho Yel Lee legt vor. Der 29-jährige Südkoreaner aus der Klavierklasse von Prof. Arnulf von Arnim gefällt sofort durch seinen ebenso prägnanten wie sensiblen Anschlag. Lee spielt den sich aus tiefem Streichergrollen emporwühlenden Beginn des d-Moll-Konzerts so, als wollte er das düstere Gewölk mit etwas Leichtigkeit aufhellen. Auch die Triller verbreiten keine Weltuntergangs-Stimmung, und das Orchester unter Marion Wood geht diesen Weg mit: Hier ist mehr Melancholie als Drama zu hören, und das fasziniert.

Das tiefgründige Adagio wird indes durch Baby-Laute gestört. Die Fairness für ein solches Examenskonzert hätte es geboten, diesmal auf einen Konzertbesuch mit Kind zu verzichten. Ho Yel Lee ist jedoch viel zu cool, um sich aus der Ruhe bringen zu lassen. Und als wollte er zeigen, dass dies Konzert noch lange nicht die Grenze seines Könnens markiert, spielt er noch Balakirews legendären Virtuosenritt „Islamey“.

Stichwort virtuos: Das zweite Brahms-Konzert gehört zu den schwersten Klavierkonzerten überhaupt. In seiner idyllischen, am Ende gar tänzerischen Stimmung aber wirkt es leichter als Nummer eins. Und das sensible Legato-Spiel von Siquan Fan (Klavierklasse von Prof. Manja Lippert) passt dazu. Fan begreift Brahms noch melancholischer als Lee und beeindruckt ebenso durch sein fulminantes Können. Der episch lange Viersätzer verlangt dem jungen Meister Grandioses ab. Daher: Keine Zugabe, dafür vier oder fünf Blumensträuße.

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