„Oratorio de Noël“ von Camille Saint-Saëns in der Erlöserkirche
Die Schönheit harmonischer Fülle

Münster -

Camille Saint-Saëns‘ konzentriert sich in seinem „Oratorio de Noël“ auf weihnachtliche Intimität. Im Weihnachtskonzert des Heinrich-Schütz-Chores und Kourion-Orchesters unter Ludwig Wegesin markierte das lyrische Hohelied des Franzosen den Höhepunkt.

Montag, 10.12.2018, 20:18 Uhr aktualisiert: 10.12.2018, 20:20 Uhr
Unter Leitung von Ludwig Wegesin präsentierten der Heinrich-Schütz-Chor und das Kourion-Orchesters in der Erlöserkirche das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns.
Unter Leitung von Ludwig Wegesin präsentierten der Heinrich-Schütz-Chor und das Kourion-Orchesters in der Erlöserkirche das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns. Foto: Günter Moseler

Weihnachten scheint ein Fest für Träumer – der Friedenskaiser Augustus war wenig friedliebend, Gewalt an der Tagesordnung, Rom rücksichtslose Besatzer-Macht, ein Leben kaum etwas wert und Armut alltäglich. Dennoch hat die Geburt Jesu früh reine Weihnachtsidyllen suggeriert, und während Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ noch Eckdaten der Historie anklingen lässt, konzentriert sich Camille Saint-Saëns in seinem „Oratorio de Noël“ auf weihnachtliche Intimität. Im Weihnachtskonzert des Heinrich-Schütz-Chores und Kourion-Orchesters unter Ludwig Wegesin markierte das lyrische Hohelied des Franzosen den Höhepunkt, eröffnet wurde der Abend aber durch Georg Philipp Telemanns Kantate zum 1. Advent „Machet die Tore weit“.

Jede Note folgt hier einer krisenfesten Gewissheit für unbezweifelbaren Tiefsinn des Glaubens, die Orchestermusiker spielten mit beschwingtem Gestus, der Chor hob die leichtgewichtige Schönheit harmonischer Fülle hervor. Das „Jesu, komm‘ in meine Seele“ gestaltete Cecilia Rodriguez-Moran mit klarem, vibratoreichem Sopran, der aus der kleinen Arie ein strahlendes Ereignis machte.

Der Harfe (Spezialistin für höhere Sphären) wird in Alphonse Hasselmans „La Source“ (Die Quelle) ein Fall rauschender Selbstentfaltung gegönnt. Hanna Rabe spielte, als sei eine Delegation Erzengel zur Erde abgesandt, die Menschen endgültig vom Sirenenklang ihres Instruments zu überzeugen. Die Melodiestimme tanzte auf der Gischt schäumender Arpeggien-Wogen, ohne ein einziges Mal die abwärts perlenden Skalen-Kaskaden zu unterbrechen, um mit einem „sdrucciolando“ (Rutsch) sich in den Abgrund einer Oktave zu stürzen.

Zart intonierte danach das Orchester das Prélude von Saint-Saëns‘ „Oratorio de Noël“, unüberhörbar federnd der punktierte Siciliano-Rhythmus, der pastorale Winterlandschaften heraufbeschwor. In ihren Soli ließen sich die jungen Sänger vereinzelt durch Intonationstrübungen im Passaggio-Bereich aufs Glatteis führen, die aber im Quartett sich überraschend in Luft auflösten. Auch der Chor steigerte sich und artikulierte mit furioser Präsenz die einzigen dramatischen Zeilen: „Warum toben die Völker und murren die Nationen so vergeblich?“.

Ein theatralisches Tremolo lieferte das Orchester im finalen Quintett nach, vom Dirigenten Wegesin explizit angefeuert. Die Musik endet, als hätte man alle brisanten Stromschnellen des Zweifels überstanden. Herzlicher Beifall.

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