Münsters einzigartiger Kult-Klassiker „Messias“ läuft seit 30 Jahren
Alle Jahre wieder schön

Münster -

Es müssen sich schon sämtliche Götter gegen dieses himmlische Trio verschwören, um mal eine Vorstellung oder gar eine Saison ausfallen zu lassen. Pitt Hartmann (69 Jahre) und Benedikt Roling (61 Jahre) spielen ihren „Messias“ seit 1989: Jedes Jahr. Seit unglaublichen drei Jahrzehnten. Das dürfte weltweit einzigartig sein.

Donnerstag, 13.12.2018, 12:34 Uhr
London hat den Dauerbrenner „Mausefalle“, Münster den „Messias“: Seit 30 Jahren dieselbe Besetzung – das dürfte weltweit einzigartig sein.
London hat den Dauerbrenner „Mausefalle“, Münster den „Messias“: Seit 30 Jahren dieselbe Besetzung – das dürfte weltweit einzigartig sein. Foto: Ralf Emmerich

Gabriele von Groote ist die Dritte im Bunde und seit dem dritten Jahr dabei. Und auch das ist eine der unzähligen Anekdoten. Denn Brigitte Brandt war in den ersten Jahren „Die Timm“. Sie heiratete einen verwitweten Pfarrer mit samt seiner sieben Kinder! Wenn es nicht die Wahrheit wäre, so wäre es gut erfunden.

Das Stück erzählt, wie Theaterdirektor Theo (ein schleimiger Kaffeefahrten-Conférencier) und sein Helfershelfer Bernhard (ein pannenaffiner Provinz-Mime) versuchen, die Weihnachtsgeschichte mehr schlecht als recht über die Bühne zu bringen. Und Frau Timm singt dazu. Am Ende. Doch vorher gibt es reichlich Gelegenheit für Streit zwischen den Schauspielern.

Den dargestellten Schauspielern, denn das münsterische Darsteller-Trio ist längst eine verkumpelte Familie. Und anscheinend derart schicksalhaft miteinander verbunden, dass nur eine einzige Spielzeit ausfallen musste, weil in jenem vermaledeiten Jahr Roling eine Lungen-OP hatte (das wäre vielleicht noch gegangen), von Groote die Stimme versagte (das wäre vielleicht noch gegangen) und Hartmann durch einen Autofahrer vom Rad geholt wurde und sich die Arme brach (das wäre vielleicht noch gegangen) – als sich aber später herausstellte, dass auch das Becken betroffen war – da gaben die drei klein bei. Auch eine einzelne Vorstellung ist mal ausgefallen; nicht weil die Darsteller nicht am Orte waren. Aber sämtliche Zuschauer (bis auf drei) hatte es nicht geschafft, sich durch die Schneemassen jenes Sonntags zu robben.

In den Hoch-Zeiten fanden schon mal 30 Vorstellungen statt (manchmal drei am Tag), heute sind es gut ein Dutzend. Begonnen wurde am Nikolaus-Tag. Die Zeiten haben sich geändert, die Besucher auch. Roling: „Früher waren wir das einzige Angebot, und die Leute hatten im Advent mehr Zeit.“ Auch der religiöse Anspielungshorizont ist kleiner geworden. Dass „Lisbeth und Zacharias“ Marias Cousine und ihr Mann zudem Eltern von Johannes dem Täufer sind, wisse heute kaum noch jemand.

Aber ohnehin haben Roling und Hartmann das 75-Minuten-Original aus Spielfreude und Komikerlust mit aktuellen Anspielungen auf zuletzt über 100 Minuten spielerisch verlängert. Gesucht wird immer ein halbwegs sympathischer Machtmensch: Ratzinger war es schon und Stoiber. Wer es wohl dieses Jahr wird?

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Der Münster-Klassiker ist im Pumpenhaus, Gartenstraße 123, vom 16. bis 23. Dezember sowie 26. bis 30. Dezember um jeweils 20 Uhr zu sehen. Zusätzliche Nachmittagsvorstellungen sind am 23. und 30. Dezember um 15 Uhr. Karten im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt, an der Abendkasse und online:   | localticketing.de/pumpenhaus

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