Reiner Kröhnert eröffnet Kabarett-Reihe
Von Merz bis Merkel

Münster -

„Ich bin wieder da“, verkündet ein Mann und zückt einen Bierdeckel. Auch ohne diese Requisite wird klar, wen Reiner Kröhnert, die Stirn kunstvoll in Falten gelegt, da auf die Bühne zaubert: Friedrich Merz. Für sein „Großes Parodistenkino“ im Bennohaus kommt der Parodist mit wenig aus und schöpft doch aus dem Vollen: seiner immensen mimischen Begabung. Wenn er in die Haut von Angela Merkel schlüpft, setzt er sich schon mal die Perücke auf, greift zum Handy und telefoniert launig mit Vladimir Putin. Doch es sind die Feinheiten der Körpersprache und der Intonation, mit denen Kröhnert sein Publikum fasziniert. Das erlebt eine Parade markant überzeichneter Zeitgenossen.

Sonntag, 30.12.2018, 15:51 Uhr
Reiner Kröhnert mimt Angela Merkel. Das würde sogar ohne Perücke funktionieren.
Reiner Kröhnert mimt Angela Merkel. Das würde sogar ohne Perücke funktionieren. Foto: Müller

Roland Pofalla berauscht sich näselnd an „einem feinen Wind aus Frau Merkels gebenedeitem Gekröse“. Joachim Gauck outet sich als Experte für Kindergeburtstage, Ponyhöfe, Wunschkonzerte, als er wiederholt um das Wort „Krieg“ herumeiert. Dazu amüsieren bizarre Figuren aus dem Jenseits: Hitler und Honecker reut es in der gemeinsam bewohnten Hölle: „Es wird nicht wieder vorkommen!“, so greinen beide, um gleich darauf doch auf potenzielle Nachfolger zu setzen: Höcke und Wagenknecht? Pah, Revisionisten! Erdogan und Kim-Jong Un heißen ihre „Hoffnungsschimmer“.

Der behäbige Singsang Winfried Kretschmanns und der von Zuckungen geschüttelte Sprachgestus Edmund Stoibers entführen in schwäbisch-bayerische Gefilde. In einer wiederkehrenden Gesprächsrunde mit Michel Friedman und Rüdiger Safranski reiben sich deren mokante Eloquenz und gelispelte Gelehrtheit an illustren Gästen: Boris Becker, „der fleischgewordenen Zotenbrutstätte“, Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger und schließlich Franz Beckenbauer. „Der Intellekt hat viele Gesichter“ lautet das Motto dort. Die Stimmen von Prominenten indes, klärt Kröhnert am Ende des bejubelten Auftakts der neuen Kabarettreihe im Bennohaus auf, können auf drei Muster zurückführt werden: Fistelstimme (Honecker), Bruststimme (Schröder). Oder leichter Sprachfehler – wie bei Martin „Chulz“ Schulz

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6288507?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Der Münsteraner, der von Stauffenbergs Attentats-Plänen wusste
Zwischen 1940 und 1944 gehörte Paulus van Husen dem Oberkommando der Wehrmacht an.
Nachrichten-Ticker