„Weltklassik am Klavier“: Alexey Lebedev
Mit Löwenherz durch Chopins Klangsturm

Münster -

Auch die größten Komponisten haben Werke geschrieben, die (fast) keinem Menschen zu Ohren gekommen sind. Nicht selten handelt es sich um die berüchtigten „Jugendsünden“, in denen wild experimentiert wird und Scheitern nebensächlich erscheint.

Dienstag, 01.01.2019, 14:12 Uhr aktualisiert: 04.01.2019, 11:36 Uhr
Alexey Lebedev
Alexey Lebedev Foto: Moseler

Auch die größten Komponisten haben Werke geschrieben, die (fast) keinem Menschen zu Ohren gekommen sind. Nicht selten handelt es sich um die berüchtigten „Jugendsünden“, in denen wild experimentiert wird und Scheitern nebensächlich erscheint. Auch Frédéric Chopin , der „sich zu einem Wunder der Musikgeschichte entwickelte“, wie der Programmzettel für „Weltklassik am Klavier‘“ in prosaischer Hochstimmung korrekt annoncierte, hat davon ein paar zu bieten. Die Sonate Nr. 1 c-moll op. 4 enthält vielleicht Chopins unbekannteste Musik, eine Expedition in die Terra incognita der Zukunft des eigenen Genies.

Der russische Pianist Alexey Lebedev hatte das Stück ans Ende seines Recitals „Der junge Chopin“ in der Tibus-Residenz gestellt, eine von teils zielloser Energie getriebene Musik, die schikanöse Terzenketten, Doppelgriffe samt artistischer Sprünge ins Rennen schickt. Manchmal klingt es, als reiße der Musik selbst der Geduldsfaden – etwa in der sperrigen Durchführung des Kopfsatzes. Lebedev setzte hier auf Dramatik und lag damit in der Nähe jenes Salonstils, der um 1827 faszinierte. Im „Larghetto“, vom Pianisten mittels exzessivem Rubato in ätherische Dimensionen heraufbeschworen, war der spätere Personalstil Chopins hörbar. Dem kanonischen „Minuetto“ konnte auch Lebedev nicht aufhelfen: Auf diesem Tanzparkett hat sich Chopin nicht wieder blicken lassen. Im atemlosen Finale stürmte Lebedev mit Löwenpranke durchs thematische Gefusel, mit der Musik auf der Jagd nach dem jäh inspirierten Einfall. Der blieb unauffindbar, und doch war es, als hätte man taktweise ein Löwenherz schlagen hören.

Die melodiösen Arabesken des Nocturne b-moll op. 9,1 wusste Lebedev kultiviert auszuspielen, das Rondeau c-moll op. 1 des Sechzehnjährigen wirft nicht mit herzlosem Virtuosen-Konfetti um sich, der Pianist artikulierte die kecken Figurationen ebenso mit pointierter Elastizität wie Pomp und hochvirtuose Rasanz des Rondeau Es-Dur op.16 mit sanfter Akkuratesse.

Die tänzerische Eleganz des Rondeau à la Mazur op.5 wirkte stets kapriziös – aber nie unseriös. Einzig die um „Piano“-Bezirke mäandernde Dynamik schien öfters ins robuste „Forte“ angehoben. Die skizzenhafte Mazurka As-Dur aus op.7 bot Lebedev mit beiläufiger Nonchalance samt geheimnisvoller Entrückung nach A-Dur, die überschwängliche in B-Dur besaß Schwung und Charme. Als Zugabe Chopins frühes Nocturne cis-Moll – herzlicher Beifall für einen Triumph der Jugend.

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