Tilman Rademachers „Lamberti Lamento“ im Kammertheater Bühnenboden
Das Geheimnis des Ersatztürmers

Münster -

Die Türmerin von Lamberti hat einen Stellvertreter, einen Ersatzmann, einen Tuter in der zweiten Reihe. Dies hat Tilman Rademacher zum Anlass für ein Theaterstück genommen: „Das Lamberti Lamento“.

Freitag, 04.01.2019, 11:36 Uhr
Münsters Türmerin Martje Saljé (r.) und ihr tragikomischer „Stellvertreter“ auf der Bühne, Konrad Haller, der das Solo „Das Lamberti Lamento“ von Tilman Rademacher zur Uraufführung spielen wird.
Münsters Türmerin Martje Saljé (r.) und ihr tragikomischer „Stellvertreter“ auf der Bühne, Konrad Haller, der das Solo „Das Lamberti Lamento“ von Tilman Rademacher zur Uraufführung spielen wird. Foto: Rademacher

Die Theatergeschichte hat immer wieder den kauzigen Einzelgänger (oft aus der zweiten Reihe und unscheinbar) auf die Bretter gestellt, der Einblicke in seine meist traurige Existenz preisgibt: „Der Kontrabaß“ von Patrick Süskind , „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka oder „Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf“ von Bodo Kirchhoff. Der münsterische Schauspieler und Autor Tilman Rademacher hat in Münsters Verwaltung jemanden gefunden.

Die Türmerin vom Lambertikirchturm hat nämlich tatsächlich einen Stellvertreter. Für Tilman Rademacher eine ideale Figur, um daraus eine Geschichte fürs Theater zu entwickeln. Der Autor lässt den Mann aus der zweiten Reihe „Das Lamberti Lamento“ anstimmen. Denn was macht der Stellvertreter den ganzen Tag, die halbe Nacht in seiner Stube? Er sitzt. Er wartet. Wartet auf den einen Anruf. „Der Anruf wird kommen, wie das Tuten der Türmerin von Lamberti.“ So sicher ist er.

Wie sollte es im Theater anders sein: Es kommt der ein oder andere Anruf. Aber nicht „der Anruf“. Die Situation sei „ein bisschen kafkaesk“, so Rademacher, der auch Regie führt. In dem 75-minütigen Solo wird Konrad Haller einen Mann mit einem Geheimnis darstellen und seine Marotten offenbaren. Zum Beispiel hält sich der Stellvertreter für den Aufstieg über die 298 Stufen bis zur Türmerstube fit. Sein Übungsgerät ist eine kleine Trittleiter.

Was komisch klingt. Letztlich sei der Ersatzmann „eine erbärmliche Figur“, findet Rademacher: „Ich glaube, dass man sehr schön mit ihm mitfühlen kann.“ Denn früher einmal war er der Türmer, durfte und konnte sogar einmal tuten. Doch beim zweiten Mal hat er es nicht auf die Außenplattform geschafft, so dass in der 600-jährigen Geschichte erstmalig nicht getutet wurde. Ein Traditionsbruch. Das bedeutete Verbannung in die Amtstube, wo der stellvertretende Türmer nun in dieser „Posse aus der Provinz“ sein Klagelied singen darf.

Tilman Rademacher ist gebürtiger Münsteraner. Der 40-Jährige machte sein Abitur am Paulinum, studierte Kommunikationsdesign sowie katholische Theologie und machte seine Schauspielausbildung bei Barbara Kemmler, seine Sprecherausbildung bei Günter Rohkämper-Hegel.

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Die Uraufführung ist am Freitag (11. Januar) um 20 Uhr im Kleinen Bühnenboden, Schillerstraße 48a. Weitere Vorstellungen: 12. und 25. Januar, 9. Februar und 1. März jeweils um 20 Uhr. Karten (17 / 13 Euro) online: | www.derkleine  buehnenboden.de

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