Collegium Musicum im H1 mit Stokowski und Bruckner
Orgelkonzert ohne Orgel

Münster -

Die Orgel ist bekanntlich die Königin der Instrumente. Vielleicht kann man sie noch feierlicher auftreten lassen, wenn man ihr einen Mantel aus schwerem Brokat umlegt und die für sie bestimmte Musik von einem groß besetzten Sinfonieorchester spielen lässt.

Donnerstag, 17.01.2019, 18:44 Uhr
Jürgen Tiedemann bot den Zuhörern im H1 ein außerordentliches Konzerterlebnis.
Jürgen Tiedemann bot den Zuhörern im H1 ein außerordentliches Konzerterlebnis. Foto: Schulte im Walde

Die Orgel ist bekanntlich die Königin der Instrumente. Vielleicht kann man sie noch feierlicher auftreten lassen, wenn man ihr einen Mantel aus schwerem Brokat umlegt und die für sie bestimmte Musik von einem groß besetzten Sinfonieorchester spielen lässt. So jedenfalls dachte der berühmte Dirigent Leopold Stokowski in den 1920er Jahren, als er Johann Sebastian Bachs Orgelpassacaglia c-Moll orchestrierte. Diese Version macht was her! Und sie gab dem Collegium Musicum beim Semesterabschlusskonzert am Mittwoch im großen Hörsaal schöne Gelegenheit, sich von seiner farbigsten Seite zu zeigen.

Was auf der Orgel von „nur“ einer Klangfarbe präsentiert wird, verteilt Stokowski auf verschiedene Instrumentengruppen. Ein Hin und Her der Motive – oder auch ein noch deutlicheres Zeichnen des omnipräsenten Themas, wenn etwa die Hörner es markant verstärken und dadurch hörbarer machen.

Insgesamt ist dieses Bach-Arrangement mit satten Streichern und tiefem Blech natürlich nahe dran am süffigen Breitband-Sound, den man eher in einem Kino-Streifen erwartet. Aber warum nicht? Es gehört zu haben, war allemal eine große Freude. Und Bachs Matthäus-Passion hat man vor weit weniger als 100 Jahren auch sinfonisch, mit acht Kontrabässen und Hundertschaften im Chor aufgeführt.

Nach der Pause noch einmal Orgelmusik. Oder jedenfalls solche, die in diesen Kategorien gedacht war: Anton Bruckners 2. Sinfonie. Zu deren Entstehungszeit war Bruckner als Komponist kaum bekannt, sehr wohl dagegen als erfolgreicher Konzertorganist, der in allen europäischen Metropolen stürmisch gefeiert wurde, vor allem für seine Kunst der Improvisation. Der Organist Bruckner ist spürbar auch in seiner Sinfonie. Etwa in der terrassenförmigen Anlage der Dynamik, die Coll-Mus-Dirigent Jürgen Tiedemann ausgezeichnet herausarbeitete: stufenweises An- und Abschwellen der Lautstärke, so wie beim Wechsel der Manuale auf der Orgel; spielerischer Umgang mit den Orchesterfarben, vergleichbar dem Ein- und Ausschalten diverser Register. Das verlangt Präzision, an der an diesem Abend gewiss kein Mangel war. Insgesamt ist dieser Bruckner angesichts des oft fragmentierten Charakters der Musik, der vielen (hier sorgsam eingehaltenen) Generalpausen, der vielschichtigen motivischen Anlage eine enorme Herausforderung. Was dem Collegium den letzten Schliff geben würde: ein gemeinschaftlich synchrones Gefühl für die Tempi. Großer Beifall für ein außerordentliches Konzerterlebnis.

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