Münzschrank aus dem Besitz der Hohenzollern hat eine lange Reise hinter sich
Aus dem Berliner Schloss ins Lackmuseum Münster

Münster/Berlin -

Das Museum für Lackkunst in Münster ist um ein wunderschönes Möbelstück reicher. Die Rarität des Künstlers Gérard Dagly war, wie das Museum für Lackkunst mitteilte, überraschend 2017 auf dem Kunstmarkt aufgetaucht. Monika Kopplin hat das Stück in London ersteigert. Hier der Bericht über die wundersame, über 300 Jahre währende Reise eines Münzschranks vom Berliner Hohenzollernschloss bis ins Museum nach Münster.

Freitag, 18.01.2019, 16:24 Uhr
Prof. Dr. Monika Kopplin (r.) erwarb den Münzschrank von Gérard Dagly für das Lackkunstmuseum. Darüber freut sich natürlich auch ihre Nachfolgerin, Dr. Gudrun Bühl.
Prof. Dr. Monika Kopplin (r.) erwarb den Münzschrank von Gérard Dagly für das Lackkunstmuseum. Darüber freut sich natürlich auch ihre Nachfolgerin, Dr. Gudrun Bühl. Foto: Johannes Loy

Prof. Dr. Monika Kopplin , Gründungsdirektorin des Lackkunstmuseums in Münster, ist bereits verabschiedet, ihre Nachfolgerin Dr. Gudrun Bühl arbeitet sich seit Jahresbeginn in ihr neues Amt ein. Der Personalwechsel wird in diesen Tagen spektakulär überzuckert durch die Präsentation eines kostbaren Lackmöbels aus ehemaligem Hohenzollern-Besitz.

Die Rarität des Künstlers Gérard Dagly war, wie das Museum für Lackkunst mitteilte, überraschend 2017 auf dem Kunstmarkt aufgetaucht. „Es genügte ein Blick, und dann war es ganz klar“, schwärmte Kopplin gestern bei der Präsentation in Münster im Pressegespräch. Ohne jeden Zweifel stellte Kopplin also in London fest, dass der Münzschrank aus der berühmten Berliner Hofwerkstatt von Gérard Dagly stammte. Zugleich galt es dann, sich die Zustimmung der BASF als Trägerin des Museums für den Kauf einzuholen. Unterstützung fand Kopplins Engagement für den Erwerb auch seitens der Kulturstiftung der Länder, die einen erheblichen Beitrag zum Ankauf leistete. Für die Einzigartigkeit des Münzschranks waren die 60 000 Pfund (etwa 80 000 Euro) fast schon ein Schnäppchen.

Das von den Initialen des ersten preußischen KönigsFriedrich I. bekrönte Kabinett wurde, wie Quellen nahelegen, zwischen 1701 und 1703 als Münzschrank für die im Berliner Schloss bewahrte Münz- und Medaillensammlung der brandenburgischen Kurfürsten gefertigt. Von historischer Bedeutung und außerordentlicher Seltenheit, wird dieses Möbel die Schausammlung des Museums nun als spektakulärer Neuzugang bereichern. Anlässlich der Präsentation des Schranks legt das Museum auch einen spannenden Forschungsband vor.

Wo war das gute Stück in den vergangenen Jahrhunderten? Erst hat es, wie Monika Kopplin erläutert, im Berliner Stadtschloss gestanden. Im 19. Jahrhundert geriet der Schrank durch familiäre Bande – Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. heiratete in zweiter Ehe Auguste von Harrach – in diese österreichische Grafenfamilie, deren Nachfahren es nun vor wenigen Jahren auf den Kunstmarkt brachten.

Das Museum für Lackkunst widmete dem Künstler Gérard Dagly bereits 2015, dem Jahr seines 300. Todestages, eine Sonderausstellung unter dem Titel „Gérard Dagly (1660 bis 1715) und die Berliner Hofwerkstatt“.

Die einzigartige Sammlung von Lackkunst aus Ost- und Südostasien, Europa und der islamischen Welt mit rund 1000 Objekten aus über zwei Jahrtausenden erhält also nun mit dem Münzschrank eine weitere glänzende Hauptattraktion. 

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