Autor Volker Kutscher liest in Münsters Erbdrostenhof
„Wenn Kommissar Rath Nazi würde, wäre es aus“

Münster -

Und dann kommt doch noch die Rede auf „Babylon Berlin“. Jene spektakuläre TV-Serie, die dem Autor Volker Kutscher sicher einen neuen Leserkreis eröffnet hat. Als „gelungen“ bezeichnet er die Verfilmung auf der Basis seines Romans „Der nasse Fisch“, dem Auftakt seiner Krimireihe um Polizei-Kommissar Gereon Rath im Berlin der 1930er Jahre. „Babylon Berlin“, so sagt Kutscher am Dienstagabend vor 190 Zuhörern im Erbdrostenhof, „hat den Grundtenor meiner Bücher eingehalten“, nämlich Figuren ins Zentrum zu rücken, „die noch nicht wissen, was die Zeit ihnen bringt“.

Mittwoch, 23.01.2019, 16:31 Uhr aktualisiert: 23.01.2019, 16:55 Uhr
Peter Körte (l.) lauscht wie das Publikum im Erbdrostenhof dem lesenden Volker Kutscher
Peter Körte (l.) lauscht wie das Publikum im Erbdrostenhof dem lesenden Volker Kutscher Foto: pn

Gereon Rath , der Held seiner nunmehr siebenteiligen Romanreihe, die Kutscher auf zehn Bücher begrenzen möchte , ist so eine Figur. Aus dem katholischen Rheinland wechselt dieser beruflich ins weltoffene, sittenlose, protestantische Berlin. „Eine Reibung“, die er bewusst gewählt habe, als er 2007 seine Romanreihe begann, schildert Kutscher im Gespräch mit Peter Körte, Feuilletonist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung .

Eingeladen zu der Lesung hatten die münsterischen Institutionen Villa ten Hompel , Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, deren Schnittmenge in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus zu finden ist.

Lesung aus neustem Werk

Kutscher jüngstes Werk „Marlow“ spielt 1935, als in Nürnberg der Reichsparteitag der Nationalsozialisten stattfindet, in deren Aufmärsche Rath gerät – und in den Sog des Führers. Daraus, so lobt Körte, habe Kutscher eine „prägnante Szene zu der brisanten Frage nach der eigenen Verführbarkeit“ geschöpft – „eine Schlüsselszene für alle sieben Romane der Reihe“.

Vier aussagekräftige Kapitel hat der Autor ausgewählt, die anreißen, wovon sein jüngstes Werk handelt: von einer Geheimakte, die Rath findet und mit der Hermann Göring erpresst werden soll, von Johann Marlow, dem einstigen Herrscher der Berliner Unterwelt, der nun gezwungen ist, mit der SS zu paktieren. Und von einer ungeklärten Verbrechensserie in Moabit, die zum Vater von Charlotte Ritter führt.

So sieht „Babylon Berlin“ aus

1/25
  • Die Verfilmung des Bestsellers „Babylon Berlin“ startet am 13. Oktober auf Sky.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) ermittelt...

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • ...im Berlin des Jahres 1929.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Dabei geht es auch um die Exzesse im Nachtleben.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Auch ein Thema: Die blutig endenden Demonstrationen der Arbeiterbewegung am 1. Mai 1929.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Der Aufwand bei „Babylon Berlin“ war gewaltig.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Hunderte Statisten wurden gesucht.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Mit 38 Millionen Euro ist „Babylon Berlin“ rekordverdächtig teuer.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Eine wichtige Rolle: Liv Lisa Fries als aufstrebende Sekretärin Charlotte Ritter

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Auf der Suche nach Arbeit ist die junge Greta (l., Leonie Benesch) in Berlin gestrandet. Dort bittet sie ihre Freundin Charlotte um Hilfe.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Bruno Wolter (Peter Kurth) ist Oberkommissar bei der Sittenpolizei und hält sich nicht immer an die Vorschriften.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Auch Benno Fürmann gehört zum Cast.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Für die Produktion haben sich Sky und das Erste erstmals zusammengeschlossen.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Am 13. Oktober starten zwei Staffeln im Bezahlfernsehen, immer zwei Folgen im Doppelpack.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Ein Jahr später läuft „Babylon Berlin“ in der ARD.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Ins Ausland verkauft sich der Stoff recht gut.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • 60 Länder hätten die 16-Stunden-Serie bereits erworben, teilte die Vertriebsfirma Beta Film, die auch an der Produktion beteiligt ist, am Donnerstag in München mit.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Darunter befänden sich unter anderem die USA, Australien, Spanien, Italien, Frankreich, Russland, alle skandinavischen Länder, die Niederlande, Belgien, Kasachstan, Aserbaidschan und die Ukraine.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Sky möchte den Serienboom nutzen: Von Juli bis September hat der Pay-TV-Sender nach eigenen Angaben 90.000 Kunden im deutschsprachigen Raum hinzugewonnen.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Der Konzern baut dabei das Angebot an Eigenproduktionen wie „Babylon Berlin“ weiter aus.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Im Schnitt seien vier Neustarts pro Quartal in diesem Jahr geplant.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Grundlage für die ersten beiden Staffeln ist das 500 Seiten starke Buch „Der nasse Fisch“.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Hauptdarsteller Volker Kutscher findet die Serie „wunderbar“. Man habe das Gefühl, im alten Berlin auf der Straße zu sein, den Verkehr zu hören und die Atmosphäre zu spüren.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Das Team drehte die Serie „Babylon Berlin“ in 180 Tagen an 300 verschiedenen Locations.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017
  • Im Potsdamer Studio Babelsberg entstand die „Neue Berliner Straße“, eine beeindruckende Außenkulisse, die viele Impressionen der Stadt zu jener Zeit wiedergibt. Szenenbildner Uli Hanisch (“Das Parfum“, „Ein Hologramm für den König“) entwarf für das Studio einen kompletten Straßenzug.

    Foto: Frédéric Batier/X Filme 2017

Die einstige Schreibkraft im Kommissariat und inzwischen stellungslose Ehefrau von Rath nennt Kutscher die „eigentliche Heldin“ seiner Romane. Sie sei die Identifikationsfigur, „weil ihr als emanzipierter Frau die Zeiten viel übler mitspielen“ und ihr „politischer Kompass klarer ist als der von Rath“. Ganz bewusst habe er dem „leichtfertigen Beamten mit opportunistischen Zügen“ eine solche Figur als Korrektiv zur Seite gestellt. „Dass sie so groß wurde, hat sie sich selbst zuzuschreiben“, sagt er unter dem Lachen der Zuhörer.

Kutscher, der seine Romanreihe mit dem Jahr 1938 beendet will, gewährt freimütig Einblicke in seine Arbeitsweise. Obwohl er mit großem Figurenbogen arbeitet, „kann auch ich eine literarische Figur wie Rath nicht komplett erfassen“. Er, der gern in Zeitungsarchiven recherchiert, versuche mit seinen Romanen, die „Historie im Gewand des Krimis zu popularisieren“. „Und sollte Rath ein strammer Nazi werden, wäre es aus damit.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6341218?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
26-Jähriger transportiert fast 4,5 Kilogramm Marihuana
Ermittlungserfolg: 26-Jähriger transportiert fast 4,5 Kilogramm Marihuana
Nachrichten-Ticker