Universitätschor widmete sich in der Erphokirche Schuberts letztem Lebensjahr
Anspruchsvolle Werke in den besten Händen

Münster -

Mit Schubert ist es ähnlich wie mit Mozart: schaut man auf deren kompositorisches Oeuvre, fragt man sich verwundert, wann die beiden all ihre Musik geschrieben haben. Denn beide Meister wurden bekanntlich nicht alt. Noch mehr deutlich erfahrbar wurde das „Wunder“ Franz Schubert beim Konzert des Universitätschores in der Erphokirche. Dirigent Ulrich Haspel nahm Schuberts letztes Lebensjahr 1828 unter die Lupe – mit der Messe Es-Dur als krönendem Finale.

Montag, 28.01.2019, 18:18 Uhr
Der Universitätschor unter Leitung von Ulrich Haspel faszinierte in der Erphokirche große und kleine Zuhörer.
Der Universitätschor unter Leitung von Ulrich Haspel faszinierte in der Erphokirche große und kleine Zuhörer. Foto: Christoph Schulte im Walde

Diese Messe krönt auch Schuberts persönliche Beschäftigung mit dieser Gattung, in deren Zentrum das lateinische Ordinarium steht. Dass sie kaum ihrem liturgischen Zweck dienlich sein würde, wird Schubert gewusst haben: Immerhin dauert das Werk knapp eine Stunde, ist also ziemlich lang – zu lang, um in toto in eine Gottesdienstfeier integriert zu werden. Auch stellt sie enorme Ansprüche an die Ausführenden. Ansprüche im präzisen Umgang mit ausgeprägter Chromatik, mit akkurat nachgezeichneter Polyphonie, mit breit angelegten dynamischen Entwicklungen. Diese Parameter waren beim Universitätschor in allerbesten Händen respektive Kehlen. Schon die eröffnenden Kyrie- und Christe-Rufe gerieten markerschütternd und ließen keinen Zweifel an Schuberts Zweifeln, war er doch alles andere als ein naiv Glaubender wie später Bruckner.

In Schuberts Musik steckt nur wenig stille Hoffnung, umso mehr das Dunkle, das sein gesamtes Oeuvre durchzieht. So auch die Es-Dur-Messe, der das Kourion-Orchester auf hohem Niveau das sinfonische Fundament lieferte. Nahtlos in die von Chor und Orchester vorgelegte Qualität fügten sich auch die Vokalsolisten Heike Hallaschka, Annette Kleine, Goetz Phillip Körner und Christoph Scheeben. Letzterer brillierte überdies noch mit „Der Winterabend“ und „Der Doppelgänger“, zwei Liedern aus dem Jahr 1828, mit denen Haspel inhaltliche und handwerkliche Parallelen zur Messe aufzeigte.

Mehr noch: Die erste Stunde des Konzertes in der Erphokirche wurde zu einem musikalisch-literarisch-pädagogischen Präludium mit Klangbeispielen, Gedichtrezitation, vorgetragenen Tagebuchaufzeichnungen. Durchaus nicht uninteressant. Doch ein Teil des Publikums wird eine solche musikwissenschaftliche Seminarstunde kaum erwartet haben. Tipp: Vielleicht beim nächsten Mal dem eigentlichen Konzert dezidiert als Einführung voranstellen und als solche annoncieren.

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