90 Jahre Charivari Puppentheater
Holzköpfe feiern Geburtstag

Münster -

Die Jubilare hatten sich prächtig gehalten. Keine Falte, keine Runzel mehr als in früheren Jahren zierten die Gesichter der drei Gründungsmitglieder des Charivari-Ensembles. Alles andere wäre, selbst gemessen an den oft märchenhaften und magischen Welten des Puppenspiels, allerdings auch nachgerade unheimlich: Kasper, Tod und Teufel sind wahre Holzköpfe.

Dienstag, 29.01.2019, 18:20 Uhr
Hendrikje Winter (l.) und Paula Zweiböhmer unterstützen Wilfried Plein nicht nur bei der Geburtstagsfeier der 90-Jährigen Kasper, Tod und Teufel.
Hendrikje Winter (l.) und Paula Zweiböhmer unterstützen Wilfried Plein nicht nur bei der Geburtstagsfeier der 90-Jährigen Kasper, Tod und Teufel. Foto: Wolfgang A. Müller

Nicht nur an das Debüt dieser Figuren als Teil des 1929 in Ratzeburg gegründeten „Handpuppentheaters Karl Pechaschek“, dessen Fundus 1979 zunächst in der Bremer Straße, ab 1986 dann in der Körnerstraße in Münster neues Leben eingehaucht wurde, erinnerte die bisweilen revuehafte Jubiläumsfeier des Charivari-Theaters. Auszüge aus dem aktuellen Programm („Das Picassodil“) mischten sich mit launigen Reminiszenzen und fantasievollen, witzigen Gastbeiträgen. Hendrikje Winter und Paula Zweiböhmer, die Charivari-Leiter Wilfried Plein seit dem vorigen Jahr unterstützen, hatten Kollegen des Tecklenburger Krokodil-Theaters mobilisiert, mit denen musizierend durch die „Bar zum Krokodil“ gestreift und knollenköpfige Fingerpuppen und Küchenutensilien zu einem quirlig-rabiaten Ritter-Dramolett („Kartoffelkomödie“) aufgefahren wurden.

Auch frühere Mitstreiter wurden freudig begrüßt. Christiane Genter, die „rund 50 der schönsten Puppen“ des Theaters selbst fertigte, und Thomas Bohrer , Karl Pechascheks Enkel und Pleins langjähriger Spielpartner. Er zitierte aus seiner „Lieblingskritik“ zu einer Kindervorstellung in Lippstadt, die mit „Lachen blieb im Halse stecken“ überschrieben war: In überschäumender, anarchischer Spiellaune hatte Bohrers Kasper den bösen Zauberer am Ende nicht nur in den obligatorischen Sack gesteckt, sondern ihn auch gleich noch zu Leberwurst verarbeitet. „Kaspertheater hat auch was mit Rock’n’Roll zu tun“, proklamierte Bohrer grinsend.

Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson erinnerte daran, dass die Zeiten für das Puppentheater nicht immer rosig waren. 1992 drohte das Aus. Die Produktion von „Faust“ als Puppenspiel für Erwachsene zeigte wiederum kurz darauf das Potenzial der Bühne, Menschen jeglicher Couleur anzusprechen. Die vielfältigen Möglichkeiten der Theaterbühne will Wilfried Plein schon in nächster Zukunft auch für Liederabende (demnächst zu Eric Burdon) und Lesungen nutzen. Immer dem Motto folgend, die eigene Freude zur Freude aller zu machen.

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