Junges Sinfonieorchester der WWU
Man traute den Ohren nicht

Münster -

Gleich vorweg: Vor sieben, acht Jahren hätte niemand dem „Jungen Sinfonieorchester an der WWU“ ein solches Konzertprogramm zugetraut, wie es am Mittwoch in der Aaseeaula zu erleben und bestaunen war. Erst Tschaikowskys Violinkonzert, danach Dvořáks Neunte! Zwei dicke Brocken, die es in sich haben. Mutig, mutig! Aber jede anfängliche Skepsis war schon mit den ersten Tschaikowsky-Takten hinweg gefegt. Welch ein orchestraler Streicherklang! Hoch konzentriert, rhythmisch präzis und von vorbildlich sauberer Intonation.

Donnerstag, 31.01.2019, 18:30 Uhr
Das „Junge Sinfonieorchester an der WWU“ unter der Leitung von Bastian Heymel und mit der Solistin Bomsori Kim
Das „Junge Sinfonieorchester an der WWU“ unter der Leitung von Bastian Heymel und mit der Solistin Bomsori Kim Foto: cws

Dieser Eindruck blieb bis zum letzten Akkord des Finale und galt für das gesamte Orchester. Ob Dirigent Bastian Heymel ein „Geheimrezept“ hat, wie ein studentisches Liebhaber-Ensemble auf ein derartiges Niveau zu bringen ist? Mehr noch: Wie kommt Heymel an eine so hochkarätige Geigerin wie Bomsori Kim, die sich in den letzten Jahren etliche internationale Preise allererster Güte erspielt hat und mit den JuSis locker den Tschaikowsky-Gipfel erklimmen konnte? Man traute seinen Ohren nicht.

Was einst als unspielbar galt, eben jenes Violinkonzert, nahm Kim scheinbar als Spaziergang. Mit unfehlbarer Technik, lupenreiner Intonation – und vor allem beseelter Musikalität. Natürlich steckt viel leidvoll Biografisches in Tschaikowskys Solitär. Sogar so viel, dass das Werk schnell ins Kitschige umschlagen kann. Doch Heymel und Kim verzichteten sowohl auf jeden Zuckerguss als auch auf die Zurschaustellung sportlicher Hochleistung, bei der die Solistin zum Turnierpferd mutiert. Denn Expressivität geht auch anders und wohldosiert, mal mit energischem Zugriff, mal ruhig und innig fließend. Ein Spagat, der hier perfekt gelang.

Ob Antonín Dvořák in seiner 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ sich tatsächlich von Amerika hat inspirieren lassen? Darüber lässt sich trefflich streiten. Einerlei – die Musik ist großartig, und man hat gerade in den dynamisch hoch aufpeitschenden Passagen Schwierigkeiten, sich brav auf seinem Sitzplatz zu halten. Zumal, wenn sie so überwältigend und kraftstrotzend wie bei den JuSis herüberkommen. Das kollektive Blech: ausgezeichnet. Das Holz: balsamisch, vor allem im Largo (in dem das Englischhorn ja seinen großen Auftritt hat). Viele tolle Solo-Stellen, wobei die Neuzugänge an den Pulten von Flöte und Klarinette absolute Professionalität an den Tag legten. Wo der allerletzte Feinschliff noch angesetzt werden müsste, dass wissen Bastian Heymel und sein Orchester selbst am besten. Es war ein grandioser Abend, der beste in den letzten drei, vier Jahren.

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Das Konzert wird heute um 20 Uhr in der Aaseeaula an der Scharnhorststraße 100 wiederholt. Eintritt frei, Spenden erbeten.

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