Cactus zeigt im Pumpenhaus „Wer sind die Schweine?“
„Make Hühnerstall great again“

Münster -

„Der Mensch ist die Ursache allen Übels, denn er konsumiert, ohne zu produzieren.“ Mit diesen Worten ruft Old Major, ein alter Zuchteber, die Tiere auf Jones’ Farm zur Revolution auf. Es ist die Geschichte von der „Animal Farm“, mit der George Orwell 1945 den Übergang der russischen Revolution in die Diktatur Stalins nachzeichnete. Unter dem Titel „Wer sind die Schweine?“ hat das Cactus-Theater aus der Parabel ein fetziges Theaterstück gemacht, das am Donnerstag im Pumpenhaus Premiere feierte.

Freitag, 01.02.2019, 18:16 Uhr aktualisiert: 05.02.2019, 16:54 Uhr
Nicht nur politisch hat die Inszenierung „Wer sind hier die Schweine“ des Theaters Cactus Biss. Auch darstellerisch legt sich das junge Ensemble ins Zeug.
Nicht nur politisch hat die Inszenierung „Wer sind hier die Schweine“ des Theaters Cactus Biss. Auch darstellerisch legt sich das junge Ensemble ins Zeug. Foto: Ralf Emmerich

Unter der Regie von Alban Renz und Shaun Fitzpatrick agiert ein elfköpfiges Ensemble, das von gackernden Hennen über Pferde und Kühe bis hin zu den Schweinen alle Tiere der Farm abdeckt. Dabei verzichten die Schauspieler auf Masken und allzu offensichtliche Kostüme. Für die Kuh genügt ein geflecktes braunes T-Shirt, für die Schweine ein paar ausgepolsterte Hosen. Sprachduktus und die Art, sich zu bewegen, reichen, um die jeweilige Gattung anzudeuten. Das ist klug gemacht, weil die Tiere hier ja für die Menschen in den verschiedenen gesellschaftlichen Klassen stehen.

Zwar ist die russische Revolution lange vorbei, Stalin tot und die Sowjetunion Geschichte – obsolet ist die Geschichte damit aber nicht, denn die darin aufgezeigten Mechanismen von Macht und Manipulation funktionieren noch immer. „Wir sind die Farm“, skandieren die aufgebrachten Tiere in der Cactus-Inszenierung. „Make Hühnerstall great again“, kräht der eitle Gockel. Wie sich Oberschwein Napoleon seines Widersachers entledigt, ist bewährte politische Tradition. Auch die Rhetorik, mit der Propaganda-Schwein Squealer Ausbeutung durch Sachzwänge rechtfertigt, kommt einem bekannt vor.

Aber nicht nur politisch hat die Inszenierung Biss. Auch darstellerisch legt sich das junge Ensemble ins Zeug. Es gibt Gesang und eindrucksvolle Massenszenen. Für die politischen „Säuberungen“ hat man sich eine Schachthaus-Kulisse ausgedacht, über die das Blut nur so spritzt. Der Bau der Windmühle geht als chaotisches Ballett über die Bühne – mit einer Menschenpyramide, die am Ende in sich zusammenkracht. Auch das Gefühl kommt in dieser rundum gelungenen Inszenierung nicht zu kurz. Geradezu herzzerreißend wirkt eine Szene, in der die Hühner ihre Eier lieber zertrampeln, als sie für den Profit der Schweine wegzugeben.

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Aufführungen im Pumpenhaus, Gartenstraße: 2., 3., 7., 9. und 10. Februar; am 8. Februar mit Gebärdensprachdolmetscher; Schulvorstellungen werden am 5. und 6. Februar jeweils 11 Uhr angeboten. Karten im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt oder online:    | www.localticketing.de

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