Anthony Venisse ist Artist, führt aber auch Regie im GOP-Varieté
„Tue ich das eine, fehlt das andere“

Münster -

Nicht nur durch den seit den 1980er Jahren anhaltenden Erfolg des Cirque du Soleil gilt Kanada in der Welt der Artistik, der Show und des Spektakels als führend. Die starken Zirkusschulen in Montréal und Quebec bringen immer wieder Künstler hervor, die auch in Europa Erfolge feiern. Ein besonders talentierter Sprössling dieser Zirkustradition ist Anthony Venisse, der zurzeit im GOP-Varieté Münster die Regie bei der Show „Bang Bang“ führt.

Dienstag, 05.02.2019, 16:54 Uhr
Pfiffige Regie-Ideen wie das Ballett aus Telefonhörern ziehen sich durch die Show „Bang Bang“ im GOP. Anthony Venisse (Bild unten) hat sie inszeniert.
Pfiffige Regie-Ideen wie das Ballett aus Telefonhörern ziehen sich durch die Show „Bang Bang“ im GOP. Anthony Venisse (Bild unten) hat sie inszeniert. Foto: A. Dacos / P. Nienhaus

Der 42-Jährige wurde in der Normandie geboren, ließ sich in jungen Jahren in Paris und in der Schweiz zum Zirkuskünstler und Tänzer ausbilden, bevor er 1998 den Atlantik überquerte, um die Zirkusschule in Montréal zu absolvieren. „Der französischsprachige Teil Kanadas ist heute mein Zuhause“, betont der Künstler, der sich gar nicht so recht entscheiden kann, ob er lieber auf der Bühne steht oder lieber Regie führt. „Mache ich das eine, fehlt mir recht schnell das andere“, sagt Venisse, der auf der Bühne sehr gerne in die Rolle des Clowns schlüpft.

  Foto: Nienhaus

Bei „Bang Bang“, das noch bis zum 10. März in Münster zu sehen ist, konzentriert er sich aber ganz auf die Regie. „Die Idee zur Show stammte diesmal auch nicht von mir, sondern von meiner Kollegin Anna Ward “, sagt er. Die renommierte Luft- und Cyr-Artistin habe sich den Wunsch erfüllt, ihre Freunde um sich zu scharen und eine Bühnenshow zu entwickeln. Und da erschien den Verantwortlichen der GOP-Gruppe, die sich von Wards Konzept begeistern ließen, Anthony Venisse der passende Regisseur zu sein. Immerhin hatte dieser in den vergangenen Jahren mit den beiden von ihm selbst entwickelten, sehr originellen Produktionen „La folie“ und „Plüfolie“ große Bühnenerfolge in den sieben GOP-Häusern gefeiert.

„Ich kann gar nicht genau sagen, was das Besondere an der kanadischen Zirkustradition ist“, sagt er und gerät bei der Frage beinahe in Verlegenheit. Ein Faktor seien mit Sicherheit die beiden starken Schulen in Quebec und Montréal, die einen hohen technischen Standard bei der Artisten-Ausbildung voraussetzen. „Das allein steht schon für eine gewisse Qualität der Unterhaltung“, meint der geborene Franzose, der mittlerweile über beide Staatsangehörigkeiten verfügt. Auch hätten sich gewisse Spezialdisziplinen entwickelt. „Kanadier sind sicherlich führend, wenn es um Darbietungen mit dem Cyr Wheel – einem großen Reifen, der als Sportgerät genutzt wird – oder an vertikal aufgehängten Tüchern geht. „Ich denke schon, dass die kanadische Zirkus- und Varietékunst unverwechselbar ist“, sagt Venisse.

Damit Shows wie „Bang Bang“ auch international funktionieren, sind sie konsequent non-verbal ausgerichtet. Das Bühnengeschehen wird auch ohne Worte verstanden. In der aktuellen GOP-Produktion geht es um das bunte Treiben in einem Loft im New Yorker Stil der 1960er Jahre, in denen eine illustre Gesellschaft zusammenkommt, die von einem Fotografen in Szene gesetzt wird. „Aus den Bildern heraus entwickeln sich die einzelnen akrobatischen Acts mit ganz unterschiedlichen Stimmungen“, erläutert Venisse das Grundkonzept.

Typisch kanadisch ist, das gesamte zehnköpfige Ensemble während der gut zwei Stunden einer Vorstellung stets in Bewegung zu halten. Der Regisseur beschreibt es so: „Die Künstler sind alle miteinander durch Freundschaften verbunden. Der Zuschauer kann den Charakteren folgen und erkennt die Energie, die zwischen ihnen auf und hinter der Bühne herrscht.“ 

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