Schatzkammer hat ausgedient
Machbarkeitsstudie sondiert Möglichkeiten: Auf dem Weg zum Domforum?

Münster -

Hildesheim hat eins, Osnabrück hat eins, auch andere Bischofsstädte und Kathedralen verfügen über ein Diözesanmuseum oder ein Domforum, das musealen Anspruch und Begegnungsstätte für Besucher verbindet. 

Donnerstag, 14.02.2019, 17:58 Uhr aktualisiert: 14.02.2019, 21:00 Uhr
1981 wurde die Domkammer am Paulusdom in Münster eröffnet. Der Bau von Diözesanbaumeister Bernhard Dirksmeier wurde damals als optisch elegante Ergänzung des Doms gewürdigt und galt als hochmodern. Nach 40 Jahren gilt das Gebäude wegen überholter Klima- und Sicherheitstechnik für museale Zwecke als abgängig. Über ein Domforum denken (v. l.) Dompropst Kurt Schulte, Diözesanbaumeisterin Anette Brachthäuser und Diözesankonservator Dr. Udo Grote nach.
1981 wurde die Domkammer am Paulusdom in Münster eröffnet. Der Bau von Diözesanbaumeister Bernhard Dirksmeier wurde damals als optisch elegante Ergänzung des Doms gewürdigt und galt als hochmodern. Nach 40 Jahren gilt das Gebäude wegen überholter Klima- und Sicherheitstechnik für museale Zwecke als abgängig. Über ein Domforum denken (v. l.) Dompropst Kurt Schulte, Diözesanbaumeisterin Anette Brachthäuser und Diözesankonservator Dr. Udo Grote nach. Foto: Oliver Werner

Überlegungen in diese Richtung treiben in diesen Monaten auch die Mitglieder des Domkapitels in Münster um. Nicht ohne Grund: „Wir waren überrascht und erschrocken zugleich, als ein bauphysikalisches Gutachten für unsere Domkammer ergab, dass hier keine Ausstellungen mehr stattfinden können“, sagt Dompropst Kurt Schulte (54).

Am 2. Juli 2017 wurden also die Pforten der Domkammer für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Friedensausstellungen zum Katholikentag wurden in den Dom respektive das Westfälische Landesmuseum ausgelagert. Aus der jetzigen baulichen Not möchten die Domherren nun eine Tugend machen. „Wir möchten den Domschatz natürlich angemessen präsentieren, vor allem mit einem museumspädagogischen Ansatz, der die Exponate neu zum Sprechen bringt“, sagt Schulte. Zugleich biete sich, so Schulte, die Möglichkeit, die baulichen Defizite an der Peripherie der münsterischen Kathedrale in den Blick zu nehmen, möglicherweise auch einen zusätzlichen Ort der Begegnung für jene Menschen zu schaffen, die aus dem Bistum oder von weiter her Münsters Dom besuchen.

Feuchtigkeit setzt Exponaten zu

In der Tat fehlt da etwas. Wer den Dom besichtigt, fällt sozusagen mit der Tür ins Haus. Räume zum Verweilen vor oder nach dem Dom­besuch, zum vertieften Studium einzelner Exponate, größere Schriftenstände, Leseräume, museale Möglichkeiten für Wechselausstellungen: Alles das fehlt.

Nun will das Domkapitel natürlich nichts übers Knie brechen, zumal der Kirchensteuerrat, aber auch weitere Verantwortungsträger im Bistum mitreden möchten über ein solches „Domforum“, das diesen Namen bislang freilich nur in Gedankenspielen trägt. Denn als erstes läuft, wie die neue Diözesanbaumeisterin Anette Brachthäuser erläutert, in diesem Jahr eine „Machbarkeitsstudie“. Experten aus Bistum und Stadt sondieren, was im Dunstkreis des Doms möglich und wünschenswert ist, sowohl städtebaulich wie auch aus kulturtouristischer Sicht. Ob die alte Domkammer, in der nur noch ein paar robuste Säulenkapitelle und Sandsteinwappen am Boden ruhen, nochmals in die Überlegungen einbezogen wird oder komplett weichen muss, ist dabei ebenso offen wie die Größe und Form eines neuen Gebäuderiegels auf dem Horsteberg.

Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend

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  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns
  • Die Domkammer des münsterischen Doms schließt – vorübergehend Foto: Michaela Töns

Brachthäuser findet es auf eine entsprechende Nachfrage im Übrigen nicht ungewöhnlich, dass die Domkammer nach nur knapp 40 Jahren nicht mehr zu vertretbaren Kosten für museale Zwecke saniert werden könne. „Das Gebäude war 1981 auf dem Stand damaligen technischen Könnens und eine besondere sowie mutige Architektur. Die Gesetzeslage und die Erfordernisse an Klima und Sicherheit haben sich in den vergangenen Jahren rasant geändert“, sagt die 54-jährige frühere Baudezernentin in Haltern am See. Der Direktor der Domkammer und Diözesankonservator Dr. Udo Grote (60) schildert im Gespräch mit unserer Zeitung besonders das Problem der Feuchtigkeit, das den kostbaren Exponaten aus Metall und Stoff über die Jahre immer mehr zusetzte. Ein „Weiter so“ war mithin nicht möglich.

Schwieriges Abwägen

Die rund 700 Exponate sind zum größten Teil in einem Depot am Niederrhein eingelagert, berichtet Grote. Etwa 70 Kostbarkeiten, darunter auch der wertvolle Paulus-Kopf, gehen demnächst im Rahmen einer Ausstellung auf Wanderschaft, die im März im Catha­rijneconvent in Utrecht ihren Lauf nimmt.

„Wir wollen künftig gerne zeigen, welchen Rang der Domschatz hat“, sagt Grote. Ein neues Museum am Dom biete die Möglichkeit, den kostbaren Bestand des Bistums, aber auch Themenausstellungen im Wechsel zu präsentieren und museumspädagogisch aufzubereiten: Es gehe dabei nicht nur um die „höchste Qualität der Exponate, sondern auch um ihre Bedeutung für das religiöse Leben in den Jahrhunderten“, unterstreicht Grote, der für das Inventar von rund 1200 Kirchen und historischen Gebäuden im Bistum Münster Sorge trägt.

Machbarkeitsstudie für neue Domkammer

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Der Dompropst muss mit dem Domkapitel dabei eine durchaus schwierige Abwägung treffen. „Was ist sinnvoll und was ist finanziell verantwortbar?“, so lautet die Ausgangsfrage aus seiner Sicht. Letztlich sei es auch ein Ziel, mit einem Neubau „eine Brücke in die Zivilgesellschaft zu schlagen“. Schulte: „Wir wollen die Chance nutzen und uns dafür auch die nötige Zeit gönnen.“

Museen in anderen Bistümern

Anschauungsunterricht über Diözesanmuseen kann man sich in der Nachbarschaft des Bistums Münster holen, und das Domkapitel hat dort auch schon Erkundungen unternommen. Erst 2010 bis 2015 wurde das Diözesanmuseum Hildesheim erweitert und erneuert. Der preisgekrönte Bau kostete rund 10,4 Millionen Euro. Etwas günstiger ging es in Osnabrück, wo 2008 zum damals von Essen nach Osnabrück verlegten Katholikentag das Forum am Dom seine Pforten öffnete. Das Forum und das erweiterte Diözesanmuseum kosteten rund 5,5 Millionen, wobei etwa zwei Millionen durch Spenden und Sponsoren verzeichnet wurden. Das Erzbischöfliche Diözesanmuseum in Paderborn ist das älteste dieser Art in Deutschland und verzeichnete in den vergangenen Jahren die spektakulärsten Ausstellungen. Der zwischen 1968 und 1975 entstandene Gottfried-Böhm-Bau musste bereits Anfang der 1990er Jahre konservatorisch nachgebessert und erweitert werden.

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