„100 Jahre 100 Tage Eisner“ beeindruckt im Bühnenboden
Bauernräte müssen zum Melken

Münster -

Die Bayern gelten gemeinhin als ein eher gemütliches Volk. Aber mit der Revolution waren sie einen Tag früher dran als die Preußen in Berlin. „Hundert Tage Eisner“ nennt Gerhard Schepper sein Theaterstück, das am Donnerstag – pünktlich zum 100. Todestag Eisners – im Kammertheater Bühnenboden Uraufführung feierte.

Freitag, 22.02.2019, 18:08 Uhr
Packenden „Geschichtsunterricht“ über die bayerischen Revolutionäre von 1918/19 gab es im Kammertheater Bühnenboden.
Packenden „Geschichtsunterricht“ über die bayerischen Revolutionäre von 1918/19 gab es im Kammertheater Bühnenboden. Foto: Helmut Jasny

Die Bayern gelten gemeinhin als ein eher gemütliches Volk. Aber mit der Revolution waren sie einen Tag früher dran als die Preußen in Berlin. Am 8. November 1918 rief Kurt Eisner in München die Republik aus – bezeichnenderweise in einem Wirtshaus, dem Mathäser-Bräu, das dann auch als Hauptquartier der Revolutionäre diente. Allerdings dauerte der Spuk nicht lange. Am 21. Februar 1919 wurde Eisner von einem Nationalisten ermordet. Auch die folgende Räterepublik, an der auffällig viele Dichter, Publizisten und andere Intellektuelle beteiligt waren, wurde von Freikorps niedergeschlagen.

„Hundert Tage Eisner “ nennt Gerhard Schepper sein Theaterstück, das am Donnerstag – pünktlich zum 100. Todestag Eisners – im Kammertheater Bühnenboden Uraufführung feierte. Unter der Regie von Konrad Haller und Simone Lamski zeichnet ein achtköpfiges Ensemble Ereignisse nach, eine Art Geschichtsunterricht. Allerdings mit den Mitteln des Theaters und damit wesentlich anschaulicher und unterhaltsamer, als man es aus der Schule kennt.

Das Ganze ist geschickt gemacht: Kurze, auf die Rückwand projizierte Texte zeigen dem Zuschauer, wer agiert und wo im Geschehen man sich gerade befindet. Neben dem eigentlichen Spiel gibt es Passagen, die als szenische Lesung ausgeführt sind und so den dokumentarischen Charakter der Inszenierung betonen. Petra Grycova hat als Kurt Eisner eine feste Rolle. Mit ihrem einnehmenden Spiel treibt sie die Geschichte voran, während das restliche Ensemble sämtliche Mitstreiter und Gegenspieler übernimmt.

Und die lassen sich oft nicht so leicht auseinanderhalten. Ein gutes Beispiel ist eine Szene, in der Eisner seine Politik gegen die Spartakisten auf der einen Seite und die SPD auf der anderen Seite verteidigen muss – den einen geht die Revolution nicht weit genug, den anderen viel zu weit. Eine gewisse Komik bringen die Bauernräte ins Spiel, die sich auf dem Land gebildet haben. Kämpferisch fordern sie die Enteignung des Fürsten von Turn und Taxis, lassen es dann aber bleiben, weil sie zum Melken nach Hause müssen.

Mit „Hundert Tage Eisner“ ist dem Bühnenboden eine inhaltlich und formal beeindruckende Inszenierung gelungen, die beweist, dass man für große Geschichte nicht unbedingt ein großes Theater und professionelle Schauspieler braucht.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6411208?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Debatte um unzufriedene Mitarbeiter: Bewohner-Angehörige schalten sich ein
In der DKV-Residenz am Tibusplatz gibt es Ärger. Die Leitung lädt ihre Bewohner am Montag zum Austausch ein.
Nachrichten-Ticker