„Sugar – Manche mögen’s heiß“: Unterhaltsamer Theaterabend
Glücksuche in der Damen-Kapelle

Münster -

„Nobody is perfect“ – niemand ist perfekt! Das sind schon erstaunliche Worte aus dem Munde eines schwerreichen älteren Herrn, hat ihm seine vermeintliche Geliebte doch gerade gestanden, sie sei in Wahrheit gar nicht die hübsche Daphne – sondern ein Kerl! Sir Osgood am Steuer seiner Luxusyacht nimmt’s gelassen. Egal ob Männchen oder Weibchen – Hauptsache sie oder er ist nett und liebenswert. So viel Toleranz ist im Amerika des Jahres 1959, als Billy Wilders Film „Some Like It Hot“ mit den berühmten finalen Worten herauskam, alles andere als selbstverständlich. Eher schon vierzig Jahre später, als die Zweitversion des Musicals „Sugar – Manche mögen‘s heiß“ das Licht der Bühnenwelt erblickte.

Sonntag, 24.02.2019, 14:06 Uhr aktualisiert: 27.02.2019, 18:54 Uhr
Zum Niederknien: Suzanne McLeod und Ulrike Knobloch inmitten ihrer Kapelle.
Zum Niederknien: Suzanne McLeod und Ulrike Knobloch inmitten ihrer Kapelle. Foto: OLIVER BERG

Aber um Toleranz als einen gesellschaftlich voll akzeptierten Wert geht es in „ Sugar “ auch gar nicht. Eher um eine ziemlich turbulente, witzige Geschichte von Menschen, die ihr Glück finden wollen. Sugar, die Möchtegern-Star-Sängerin, hat es bislang selten gehabt, geriet sie doch stets an die falschen Männer. Und Joe und Jerry stehen als arbeitslose Musiker gerade auf der Straße, kommen aber in einer fetzig aufspielenden Damen-Combo unter. Natürlich nur mit Frauenkleidern und falschen Brüsten ausstaffiert.

Das sorgt knapp drei Stunden für perfekte Unterhaltung, etliche Liebeleien inklusive. Intendant Ulrich Peters kann als Regisseur dieses schwungvollen Abends, dessen Premiere am Samstag im Theater Münster mit Standing Ovations gefeiert wurde, auf ein absolut temperamentvolles und spielfreudiges Ensemble setzen. Herrlich Florian Soyka und Christoph Rinke als Pseudo-Damen, die haarscharf ohne übertriebene Übertreibung im Fummel und hochhackig beschuht über die Bühne wuseln. Beeindruckend cool Jason Franklin alias Gangster-Boss Gamasche auf der Suche nach eben jenen beiden Damen/Herren als potenzielle Zeugen eines Verbrechens. Suzanne McLeod hält als gouvernantenhafte Gebieterin die Damen-Kapelle zusammen, Gunter Sonneson ist ihr etwas dusseliger Manager namens Bienstock. Gerhard Mohr sucht als würdiger Sir Osgood im Herbst seines Liebeslebens nach junger Frucht, während Ulrike Knobloch als Sugar Kane mit der gehörigen Portion Herzenswärme und Naivität ausgestattet ist, um letztlich doch noch ihre große Liebe zu finden. Ulrich Peters’ Inszenierung profitiert von jeder Menge Situationskomik, die den Abend so kurzweilig macht. Kesse Sprüche, groteske Verkleidungs-Szenen, dazu animierende Tanz-Einlagen und ein stimmungsvoll angelegtes Bühnenbild – das Ganze ist ein Fest für Augen und Ohren, mal auf der Straße, mal am Strand, mal im Night-Club, mal im Nachtzug nach Florida.

Ausstattungsmäßig grandios gelungen und logistisch eine bühnentechnische Meisterleistung. Dasselbe im halb hochgefahrenen Orchestergraben, aus dem heraus Thorsten Schmid-Kapfenburg brillanten Big-Band-Sound entwickelt und das Fundament liefert für manche tolle Songs der Solisten, für Jason Franklins rasanten Choreografien und punktgenauen Step-Tanz.

Mit „Sugar – Manche mögen‘s heiß“ kredenzt Peters einen prickelnden Cocktail, der alle Zutaten für einen höchst unterhaltenden Theaterabend vereint.

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Die nächste Aufführungen im Großen Haus: 28. Februar, 6. und 8. März   | www.theater-muenster.com

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