„Don Juan“ nach Molière im Kleinen Haus: Schrill
Der Freigeist als Moralist

Münster -

Er hat klare Kategorien, in die er Frauen und Männer einteilt: Sind sie „fickbar“ und sind sie „kriegbar“? Er betrügt seine Angetraute mit einem kroatischen Supermodel, verführt eine fremde Braut, lässt seinen Diener eine Datenbank der verführten Frauen pflegen. Don Juan ist der legendäre rücksichtslose Hedonist des Theaters, nebenan im Opernhaus kennt man ihn als Don Giovanni – und nun, in einer Molière-Bearbeitung des Autors Patrick Marber, ist er schlichtweg DJ.

Sonntag, 24.02.2019, 14:06 Uhr aktualisiert: 27.02.2019, 18:54 Uhr
DJ (Jonas Riemer) musste viel Energie aufbringen, um Elvira (Sandra Schreiber) rumzukriegen. Und dann betrügt er sie.
DJ (Jonas Riemer) musste viel Energie aufbringen, um Elvira (Sandra Schreiber) rumzukriegen. Und dann betrügt er sie. Foto: Oliver Berg

Regisseur Michael Letma­the und Ausstatter Bernhard Niechotz bringen in Münsters Kleinem Haus allerlei zusammen: Barockes unter der Discokugel, einen Steg, der Auftritte aus den Publikumsreihen erlaubt, Slapstick und Moralpredigt. An Gags und Effekten fehlt es nicht, die beiden Schauspielerinnen Sandra Schreiber und Sandra Bezler dürfen sich zudem als Sängerinnen präsentieren.

Allerdings entsteht daraus nicht immer ein zwingender Spannungsverlauf. So wirken die Versuche von DJs Vater (Wilhelm Schlotterer) und Gattin Elvira (Sandra Schreiber), ihm ins Gewissen zu reden, nach den schrillen Comedy-Szenen fast wie Fremdkörper. Jonas Riemer als idealer Titelheld lässt kurz vor Schluss nicht deutlich genug werden, dass seine Reue-Rede Fake ist.

Molière und Marber haben ihrem Helden zwei starke Szenen gegeben: Wenn DJ einen Bettler zu nötigen versucht, seinen Gott (in diesem Fall: Allah) zu lästern, und den Widerstand des armen Mannes schließlich honoriert, erkennt er in ihm einen Geistesverwandten: Am Ende nämlich lässt sich DJ selbst lieber von Elviras mörderischer Verwandtschaft abschlachten, als sich ihren Forderungen zu unterwerfen. Dass er, der unmoralische Freigeist, zuvor der Gesellschaft ihre Doppelmoral, ihre Heuchelei und ihr Geschwätz vorhält, ist zwar konsequent, wirkt aber ein bisschen überdeutlich.

Die todbringende Statue (Paul Maximilian Schulze) ist von Anfang an präsent, ihre Rolle bleibt aber zunächst unklar – am Ende tritt sie nicht als jenseitige strafende Instanz, sondern als Handlanger der irdischen Rächer auf: Don Juans Bestrafung wird gleichsam geerdet.

Das Ensemble stürzt sich Hals über Kopf in das turbulente Regie-Konzept, neben den Genannten überzeugt vor allem Louis Nitsche in der dankbaren Diener-Rolle „Stani“: ein Leporello, der von seinem Herrn nicht lassen kann. Zwei Stunden am Stück dauert die Party. Großer Premierenapplaus.

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Die nächsten Aufführungen: 2., 21. und 29. März

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