Auftakt der Session der alternativen Karnevalssitzung „Kappe App“
Das Fräulein ist eine Maschine

Münster -

Karneval: Das ist der Wahnsinn zwischen Unsinn und Tiefsinn. Die Crew von „Kappe App“ tarnt ihr Jeckentreffen als Kammerkonzert, jenseits von Tusch und Paukenschlag, aber mit offenem Visier angesichts Katastrophen und Kakophonien in Metropolen wie Provinzen der Republik – und über den nationalen Tellerrand hinaus. Leitmotiv des diesjährigen Programms „Dranbleiben!“ (Regie: Gabriele Brüning) in „Münsters Deele“ (Lappe) ist die Tuchfühlung ohne Kompromisse: Das Bühnenbild „Björns Bude“, ein vorsintflutlicher Miniaturkiosk mit eselsohrigen Illustrierten, schien der Selbstbefragungs-Mittelpunkt für handzahme Nostalgiker, denen I-Phone-Sucht und „Roboter in Menschengestalt“ irritierende High-End-Erscheinungen bleiben. „Können Roboter lieben? Haben Roboter Herz? Kennen Roboter Schmerz?“, schmachtet das Ensemble und lässt Matthias Mennes wehmütig Kornelia Kabbaj fragen: „Haben Sie heute Abend Zeit?“ Die schnurrt plötzlich wie ein abgespultes Tonband, starre Roboterblicke blitzen dem perplexen Menne entgegen – das freundliche Fräulein ist eine Maschine! Das Maschinelle aber hat Kabbaj nicht forciert – der perfekte Roboter ist eben der verwechselbare!

Sonntag, 24.02.2019, 14:42 Uhr aktualisiert: 27.02.2019, 18:54 Uhr
Björn Schimpf bietet Michael Holz an Björns Bude feine Presse-Erzeugnisse von gestern und heute an.
Björn Schimpf bietet Michael Holz an Björns Bude feine Presse-Erzeugnisse von gestern und heute an. Foto: Günter Moseler

Der Digital-Kosmos provoziert etliche Bingos vor „ Björns Bude“: Zeitungen aus „Früher-war-alles-besser“-Zeiten hintertreiben selige Erinnerungen, wo Dr. Sommer in der Bravo noch über Seelennöte hinwegtröstete und Heavy Metal als Avantgarde galt. Dann nerven liebenswerte Spinner mit Fragen über Blut-, und Vollmond, Marcello Lang legt einen zauberhaften Roboter-Cakewalk hin, und die Europawahlen kommen unter die Kalauer-Räder: „Die sind ja deshalb auch im May!“ Der Baustopp für das Hafencenter wird genüsslich bespottet („In Rom gibt’s auch nur Ruinen, und es kommen Millionen Touristen“), der „Nacktwanderweg“ in den Baumbergen als Antidepressivum für Singles gepriesen. Michael Tumbrinck kollidiert mit einem Racheengel (Björn Schimpf mit Flügelchen auf Igeljagd), sinniert über Organspenden für Veganer: „Wer nix spendet, kriegt nix!“ und ist vom münsterschen Wilsberg“-Tourismus entnervt. Parteien bekommen ihr (Schweine-)Fett ab („CDU oder FDP – ich verwechsle die Ferkel immer“), das Publikum erwärmt sich für Interaktion: Als das Mikro kurzfristig ausfällt und Michael Holz’ Hektik-Song nur noch von den Lippen abzulesen ist, schallt ihm ein fideles „Dranbleiben!“ entgegen. Der Sturm aus Asien, der Fitnessterror oder Rettungsmanöver am Rande des Nervenzusammenbruchs („Ohne Hotspot komm’ ich absolut nicht klar!“) für Chefkellnerin Edelgard – diesen jecken Recken ist klar: Es bleibt nur eine Option: Neuzeit und Moderne zu bestehen! Herzlicher Beifall für wahren Anti-Helau-Tiefsinn-Unsinn.

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Vorstellungen sind am Freitag und Samstag (1. und 2. März) um 20 Uhr sowie am Sonntag (3. März) um 18 Uhr, ferner am 8. und 9. März um 20 Uhr bei Lappe, Nieberdingstraße 12. Karten im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt oder online:   | localticketing.de

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