„Farbige Formen I“
Abstrakter Macke bleibt im Westfälischen Landesmuseum in Münster

Münster -

Was gefühlt schon immer da war, zählt nun auch endgültig zum Besitz des Westfälischen Landesmuseums in Münster. Die Rede ist von dem Gemälde „Farbige Formen I“ von August Macke, das sich bereits seit 1981 als Dauerleihgabe aus Privatbesitz im Museum am Domplatz in Münster befindet. 

Mittwoch, 27.02.2019, 21:52 Uhr aktualisiert: 27.02.2019, 21:55 Uhr
Das Gemälde „Farbige Formen I“ von August Macke (1887-1914) zählt nun endgültig zum Besitz des Westfälischen Landesmuseums in Münster. Darüber freuen sich Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und die stellvertretende Museumsdirektorin Dr. Tanja Pirsig-Marshall.
Das Gemälde „Farbige Formen I“ von August Macke (1887-1914) zählt nun endgültig zum Besitz des Westfälischen Landesmuseums in Münster. Darüber freuen sich Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und die stellvertretende Museumsdirektorin Dr. Tanja Pirsig-Marshall. Foto: Wilfried Gerharz

Nun konnte das Gemälde mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder , der Ernst von Siemens Kunststiftung und des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Freunde des Museums für den stolzen Preis von 750 000 Euro angekauft werden.

Nachdem vor bereits vier Jahren das Gemälde „Frau des Künstlers mit Hut“ erworben werden konnte, drohte jetzt der Verlust eines weiteren Gemäldes von August Macke (1887-1914), das als Dauerleihgabe die Sammlung des Museums bereichert. Das aus dem Jahr 1913 stammende Bild „Farbige Formen I“ ist, wie das Museum mitteilt, ein zentrales Werk im Macke-Raum, dem Herzstück der „Galerie der Moderne“ des Hauses.

Es kehrte übrigens gerade zurück aus New York. Dort war es in der von Dr. Erich Franz, dem früheren stellvertretenden Leiter des Landesmuseums, kuratierten Ausstellung „ Franz Marc and August Macke: 1909–1914“ in der Neuen Galerie zu sehen. Es handelte sich dabei um die erste große Macke-Schau in den USA.

„Das Bild ist eines der wenigen abstrakten Gemälde von August Macke und ein zentrales Werk im Schaffen des Künstlers. Deshalb ist es großartig, das Werk endgültig für Münster zu sichern“, erklärte am Mittwoch Isabel Pfeiffer-Poens­gen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die zur Präsentation eigens vom Rhein an die Aa geeilt war.

Am Anfang des Macke-Raumes im Landesmuseum repräsentieren Bildnisse seiner Familie die wichtigsten Lebensstufen und Bildthemen des Künstlers. Das einzigartige Wandbild „Paradies“, die Gemeinschaftsarbeit von Macke und Franz Marc, sowie der „Sonnige Weg“, das „Modegeschäft“ und das Hafenbild „Tunis“ sind dort ebenfalls zu sehen. Neben ,Farbige Karos‘ von 1913 liefert das Ölbild ,Farbige Formen I‘ in diesem Raum ein weiteres Beispiel für ein abstraktes Gemälde.

„Farbige Formen I“

„Farbige Formen I“ ist eines von lediglich fünf abstrakten Gemälden im Werk des Künstlers. Es gilt als zentrales Beispiel der Auseinandersetzung des Deutschen mit dem Franzosen Robert Delaunay, den er 1912 in Paris traf und dessen Werk er 1913 in einer Ausstellung in Köln sehen konnte. Macke war beeindruckt von Delaunays Zerlegung des Lichts in reine Farben, Simultankontraste und die kubistische Zergliederung der Bildmotive.

Mackes Bild ist harmonisch aufgeteilt in Kontraste, farbige Spannungen und Entspannungen. Mit der jeweiligen Nachbarfarbe gemischt, ergeben sich Abwandlungen unter anderem in Rotorange, Gelborange, Gelbgrün, Blau­grün, Blauviolett und Rotviolett.

Das abstrakte Gemälde, das in seiner Ausfertigung über den Charakter einer Studie hinausweist, markiert nicht nur in Mackes eigenem Werk, sondern auch in der Kunstgeschichte der expressionistischen Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ einen wichtigen Punkt

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„Eine Seltenheit in der kurzen Schaffensperiode des mit 27 Jahren verstorbenen westfälischen Malers. Die beiden Gemälde bilden deshalb in der Sammlung des LWL-Museums eine Einheit“, freut die für Kultur zuständige Landesrätin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Auch die Freunde des Museums in Münster machten die Geldbörse auf: „Wir freuen uns, das Museum bei dem Ankauf eines so bedeutenden Werkes von August Macke zu unterstützen. Denn der westfälische Maler ist eines der Markenzeichen des Museums“, sagte der Vorsitzende Matthias Lückertz.

Der Streit um die Ausrichtung der deutschen und französischen Malerei jener Zeit spiegelt sich unter anderem in der Diskussion um Farbe, Licht und Bildstruktur. Gerade diese Beschäftigung zeigt sich intensiv in dem Werk „Farbige Formen I“ und dessen begleitenden Skizzen und Aufzeichnungen, in denen Macke diese Aspekte intensiv diskutiert. Das Gemälde ist deshalb nicht nur im Werk Mackes, sondern auch für die Kunstgeschichte des deutschen Expressionismus bedeutend.

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