Sinfonieorchester Münster in der Friedensschule
Musik plus Politik mit allen Sinnen

Münster -

Ein dumpfer Knall – die Pauke imitiert den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima. Schrill, gar klagend lassen die Musiker des Sinfonieorchesters Münster ihre Instrumente in der Aula der Friedensschule erklingen, wo sich die Oberstufe versammelt hat. Mucksmäuschenstill ist es während des Stückes „Threnos“ von Krzysz­tof Penderecki, gewidmet den Opfern der Atombombenabwürfe.

Freitag, 08.03.2019, 16:30 Uhr
In der Vorbereitung unterstützt von Musiklehrerin Anna Labonté (l.), führten die Schüler Mathias Teledezki, Franziska Griepentrog und Miriam Noel Fernando durch das Programm (hinten Generalmusikdirektor Golo Berg).
In der Vorbereitung unterstützt von Musiklehrerin Anna Labonté (l.), führten die Schüler Mathias Teledezki, Franziska Griepentrog und Miriam Noel Fernando durch das Programm (hinten Generalmusikdirektor Golo Berg). Foto: Ann-Christin Ladermann

Schülerinnen und Schüler des Musikkurses aus der Q1 hatten das Stück zuvor in den politischen Kontext eingeordnet und eine Familienszene am Morgen des Abwurfes nachgespielt. Musik und Politik mit allen Sinnen erleben – das ermöglicht das Konzertprojekt „Musik+“ mit dem Sinfonieorchester.

Generalmusikdirektor Golo Berg hatte die Konzertreihe im vorigen Jahr mit nach Münster gebracht und nach dem Gymnasium Paulinum nun zum zweiten Mal an einer münsterischen Schule umgesetzt. Musik wird durch ein übergeordnetes Thema mit einem anderen Schulfach verknüpft – die Friedensschüler entschieden sich für Politik. Unterstützt von Musiklehrerin Anna Labonté sowie Musikpädagogin Ilka Roßbach entwickelten sie ein einstündiges Konzertprogramm, schrieben Moderationen und probten szenische Elemente.

„Politik hat viele Verbindungen zur Musik, weil jedes Stück in einer bestimmten politischen Zeit entstanden ist“, erklärt Labonté. So sei Musik ein geeignetes Mittel, um Überzeugungen, Lebensgefühle oder Protest zu transportieren: Beginnend mit „America“ aus der „West Side Story“ von Bernstein, bei dem nationale Rivalitäten und enttäuschte Hoffnungen eine Rolle spielen, erleben die Oberstufenschüler mit der „Fanfare for the Common Man“ von Aaron Copland einen Beitrag zu den Kriegsanstrengungen und zum Feiern der amerikanischen Demokratie.

Auch die deutsche Nationalhymne erklingt: Die Entwicklung vom Kaiserlied zum Volkslied erklärt das Schüler-Trio Franziska Griepentrog, Miriam Noel Fernando und Mathias Teledezki, das durch das Programm führt. In vielen Teilen Deutschlands hätten 1841 Zensur und politische Unterdrückung geherrscht, die Deutschen hätten sich nach Einheit, Recht und Freiheit gesehnt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Eine individuelle Reaktion auf eine politische Situation hören die Schüler mit dem vierten Satz aus der fünften Sinfonie des russischen Komponisten Schostakowitsch, der zu Zeiten Stalins lebte und komponierte. Szenisch präsentieren die Jugendlichen seine Angst vor Verhaftung und Ermordung. „Die fünfte Sinfonie schrieb er, um sich und sein Umfeld zu schützen“, erklären die Schüler. Lange Zeit sei das Marschfinale als Verherrlichung des Regimes angesehen worden. Allerdings könne es auch als ein Stück gegen Stalins Regime gedeutet werden: „Der Jubel des Triumphmarsches klingt beinahe überdreht, so als sei er von außen unter Drohung erzwungen worden.“

Viel Applaus gab es am Ende für alle, besonders für das Sinfonieorchester. „Das war mal eine ganz andere Form, Inhalte zu lernen und miteinander zu verknüpfen“, findet die 17-jährige Miriam Noel Fernando: „Auf jeden Fall hat es sehr viel Spaß gemacht!“

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