Frei-Raum mit „Flora“ im Overberg-Kolleg
Im Heim und in der Geschichte

Münster -

Und weil am Ende alles gut war, weil Flora endlich ein Stück vom Glück erwischte, übertrumpfte der fröhliche Ton den Sarkasmus einiger Szenen in der Premiere von „Flora – eine grenzüberschreitende Geschichte“. Die Eigenproduktion des Theaters Frei-Raum hatte am Freitag im Overberg-Kolleg Premiere.

Sonntag, 10.03.2019, 18:04 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 19:30 Uhr
Ulrike Homberg als Flora im Altenheim. Der Mann (Thomas Schmidt), der ihr Gesellschaft leistet, muss Sozialstunden ableisten.
Ulrike Homberg als Flora im Altenheim. Der Mann (Thomas Schmidt), der ihr Gesellschaft leistet, muss Sozialstunden ableisten. Foto: heh

15 Monate lang hat das generationenübergreifende Truppe recherchiert, um die fiktive Lebensgeschichte jener „ Flora “ auf die Bühne zu bringen. Deren Story bildete die Rahmenhandlung und basiert auf einem realen Ereignis: Eine Frau (hier „Flora Steffens“ genannt, gespielt von Ulrike Homberg und Ines Busch ) wird jahrzehntelang vermisst und schließlich dement in einem Seniorenheim entdeckt.

Der Zuschauer erlebte einen spannenden zeitgeschichtlichen Bilderbogen dessen, was während der über 30 Jahre von Floras Verschwinden in Deutschland so geschah. Die Jugendweihe in der DDR ebenso wie die Flucht in den Westen. Mit großer Spielfreude zogen die Akteure die Zuschauer schnell in die Handlung hinein, die mit Augenzwinkern auch existenzielle Fragen nach dem Älterwerden und seinen Höhen und Tiefen streifte.

Karin Badde-Struß sorgte als Regisseurin für eine flüssige Inszenierung. Sie spielte zudem liebenswert-bizarr eine versnobte Adlige, die ihren Rollator wie eine Limousine vom Pflegepersonal des Seniorenheims einparken ließ. Anke Hagenberg hielt als resolute Altenpflegerin das Heim zusammen. Andreas Westerhoff, Thomas Schmidt, Thomas Ludwig und Sven Kaiser spielten mehrere Rollen im fliegenden Wechsel: den anrührenden Greis, der im Heim vergeblich auf den Besuch der Kinder wartete, ebenso wie den Hippie in den 1970er Jahren. Um den jeweiligen Ortswechsel anzudeuten, reichten ein paar Kisten, Stühle, ein Beamer, eine Flipchart und ein bisschen Garderobe. Da die Bühne von zwei Seiten bespielt wurde, konnte die alte Flora im Heim herumsitzen, während die junge Flora von ihrem Mann beschimpft wurde. Das Publikum war stets mittendrin im Geschehen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6461758?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Mehr Buchen, bitte!
Buchen unter Eichen: Förster Holger Eggert zeigt einen "zweischichtigen Bestand."
Nachrichten-Ticker