„Carl Loewe“-Abend im Erbdrostenhof
„Menschen, zu denen ich passe“

Münster -

Eines steht fest nach diesem Erbdrostenhofkonzert: Carl Loewe ist ein sehr unterschätzter Komponist. Zu Lebzeiten hochgerühmt, fristet das Oeuvre des vor 150 Jahren gestorbenen Meisters seit Langem ein Schattendasein. Um so schöner, nun einigen seiner Lieder, Balladen und Chöre begegnen zu können. Aber nicht nur ihnen, sondern auch dem Menschen Loewe, aus dessen Briefen und Erinnerungen Dompropst Kurt Schulte Amüsantes und Nachdenkliches rezitierte. So verband er das gesprochene mit dem gesungenen Wort, präsentiert von Dozenten und Choristen der münsterschen Dommusik unter Leitung von Domkapellmeister Alexander Lauer. Zwei Stunden, die im Flug vergingen.

Dienstag, 12.03.2019, 19:30 Uhr
Die münsterische Dommusik präsentierte im Erbdrostenhof einen Abend über Carl Loewe.
Die münsterische Dommusik präsentierte im Erbdrostenhof einen Abend über Carl Loewe. Foto: Christoph Schulte im Walde

Von Loewes Kindheit war zu hören, wo im Kreise der Familie Schauer-Balladen die Runde machten, spannender als heute mancher Sonntags-Fernsehkrimi. Die Studienzeit in Halle, der eindrucksvolle Besuch beim Dichterfürsten Goethe, Loewes Aufenthalt in Berlin – all diese Lebensstationen hatte der Musikwissenschaftler Franz-Josef Ratte eigens für diesen Abend zu einer durch und durch schlüssigen Dramaturgie aus Wort und Musik gefügt. Quasi zu einem „Gesamtkunstwerk“. Natürlich mit der Vertonung des „Erlkönigs“, mit „Wandrers Nachtlied“ und etlichen anderen Versen, bei denen man heute eher an Schubert oder Schumann als an Loewe denkt.

Geistliche Musik spielte für Loewe, der fast 50 Jahre lang in Stettin als Kirchenmusiker wirkte, eine bedeutende Rolle. Davon gaben Sätze für Männerchor Kunde, von der Empore herab intoniert von Mitgliedern des Domchores.

Spannend Loewes Aufzeichnungen über seinen Münster-Besuch Anno 1837. Hier fühlte er sich „unter Menschen, zu denen ich passe“. Die Täuferkäfige haben ihn beeindruckt, auch der Dom mit seiner Orgel („wenn auch verstimmt“). Überhaupt lag ihm offenbar der westfälische Menschenschlag, weniger dagegen der Konzertsaal, der doch „recht altmodisch“ sei. Heute, nach über 150 Jahren, möchte man dem verehrten Besucher von einst dringend zurufen: Lieber einen altmodischen als gar keinen.

Fazit: Loewe lohnt. Und er war in guten Händen und Kehlen von Stefanie Fels und Brigitte Zauner, von Fritz Steinbacher, Alexander Lauer und seinem Vokalensemble. Prima inter pares die ausgezeichnete Pianistin Saki Ochiai, die hoch sensibel die Tasten des Wiener Brodmann-Flügels streichelte.

Es wäre schade, wenn dieses Konzert-Konzept nach seiner bejubelten Premiere in der Schublade versänke.

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