Klanglandschaften Türkei und Armenien
Musik verbindet Menschen

Münster -

Wie schön wäre es, wenn die ethnischen, religiösen, sozialen oder politischen Unterschiede der im vorderen Orient lebenden Gesellschaften in gegenseitigem Respekt, friedlicher Koexistenz und ohne Gleichmacherei allesamt ihren Platz hätten? In Musik gekleidet, zeichneten Vordan Houanissian (Duduk/Flöte) und Emre Gültekin (Saz/Gesang) zusammen mit den beiden „Special Guests“ Malabika Brahma (Gesang/ Dubki/Percussion) und Marat Jeremian (Dhol/Percussion) am Freitagabend bei ihrem Konzert im Rahmen der „Klanglandschaften“ im Pumpenhaus Bilder von dieser Vision.

Sonntag, 17.03.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 18.03.2019, 18:46 Uhr
Emre Gültekin (Saz, Baglama, Gesang), Malabika Brahma (Gesang, Dubki/Percussion), Vordan Houanissian (Duduk/Flöte) und Marat Jeremian (Dhol/Percussion) im Pumpenhaus
Emre Gültekin (Saz, Baglama, Gesang), Malabika Brahma (Gesang, Dubki/Percussion), Vordan Houanissian (Duduk/Flöte) und Marat Jeremian (Dhol/Percussion) im Pumpenhaus Foto: Coppel

Bei allen in dieser Region seit Generationen andauernden Krisen, Konflikten und Kriegen: Kulturelle Gemeinsamkeiten gibt es in der Tat reichlich. Houanissian und Gültekin erzählten meisterhaft auf der Duduk – dem armenisch-nationalen Holzblasinstrument –, beziehungsweise Saz – der typisch türkische Langhalslaute. Mit ihrem folkloristischen Musikprojekt verfolgen die beiden weise Denkansätze. In den teils viele Jahrhunderte alten Musiken ließen sie Bilder von nahen melodisch-harmonischen Verwandtschaften erkennen. Und doch gibt es spannende Unterschiede. Etwa in den mal türkischen, mal armenischen oder kurdischen Dialekten und den verträumt wirkenden Melodien mit ihren typisch melismatischen Gesangstexten. Sanft und ergriffen stimmten Malabika Brahma und Emre Gültekin ein ums andere Mal an. Manchmal zeichneten die vier Musiker feine rhythmische Grenzverläufe zwischen Europa und dem Orient, oder es erklang, etwa nach einer Generalpause, plötzlich europäisches Tonmaterial in Halbtonschritten, nachdem unmittelbar zuvor noch orientalisches Vierteltonmaterial gespielt worden war. Vorläufer aller hoch entwickelten Streich- und Zupfinstrumente fanden migrationsbedingt schon vor vielen Jahrhunderten ihren Weg durch die Maghreb-Staaten nach Europa. Dort vermischten sie sich und entwickelten sich zu Neuem. Wer diese historischen Tatsachen verkennt, übersieht deshalb eigene kulturgeschichtliche Wurzeln. Fantastisch, wie das Quartett an diesem Abend musikalisch interagierte. Ganz offenbar ist es den „Klanglandschaften“-Machern gelungen, in Münster eine Marke für ein an dieser Sorte Folk­loremusik interessiertes und wachsendes Publikum zu schaffen.

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