„Tage der Barockmusik“ in der Apostelkirche
Strawinsky hatte Unrecht

Münster -

Igor Strawinsky hatte einfach Unrecht als er behauptete, Vivaldi habe in seinem ganzen Leben nur ein einziges Konzert geschrieben – dies aber gleich vierhundert Mal.

Freitag, 22.03.2019, 17:54 Uhr
Das Ensemble „Splendor Baroque“ und Matthias Schlubeck wurden in der Apostelkirche gefeiert.
Das Ensemble „Splendor Baroque“ und Matthias Schlubeck wurden in der Apostelkirche gefeiert. Foto: Christoph Schulte im Walde

Igor Strawinsky hatte einfach Unrecht als er behauptete, Vivaldi habe in seinem ganzen Leben nur ein einziges Konzert geschrieben – dies aber gleich vierhundert Mal. Er hätte sich am Donnerstag in der Apostelkirche vom Gegenteil überzeugen lassen können. Denn dort spielte das Ensemble „Splendor Baroque“ gleich fünf Vivaldi-Konzerte nacheinander – ohne dass sich irgendjemand auch nur einen Augenblick lang gelangweilt hätte.

„Der Sommer“ und „Der Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ gehören natürlich zu den Vivaldi-Highlights, in denen sich Friedemann Eichhorn als Solist auf der Geige prächtig austoben durfte. Zumal das von ihm angeführte Instrumental-Oktett klar zum Lager der „Tempomacher“ gezählt werden muss. Stürmisch ging’s zu, wie mit eingeschaltetem Turbolader. Das unterstrich um so deutlicher so manche kompromisslose Verwegenheit, mit der Vivaldi seiner Musik eine gute Portion Schärfe beimischte.

Beim Konzert für Violoncello, Streicher und Continuo mit dem wieselflinken Ramón Jaffé auf dem Sprinter-Cello wäre denn doch ein Tempo-Limit gut gewesen zugunsten einer sicheren Intonation. Aber sei’s drum. Beeindruckend war Ramón Jaffés Spiel aber allemal.

Und Matthias Schlubeck ? Dem gehörten an diesem Abend alle Sympathien des Publikums. Schon allein wegen der charmanten Worte zu seinem Instrument, der Panflöte. Wie funktioniert sie, wie spielt man sie? Und vor allem: Was spielt man auf diesem uralten, sehr einfachen Instrument? Vivaldi! Natürlich nichts Originales – aber viel, viel Gutes. Wobei Schlubeck schon deutlich machte, dass zwischen Block- und Querflöte einerseits, Panflöte andererseits ein Unterschied besteht: Letztere bekommt dank ihres Obertonspektrums einen leicht rauen Klangcharakter, auch das „Spucken“, also die Ansprache-Geräusche wirken sehr charakteristisch. Das alles passte sehr gut und sehr überzeugend zu Vivaldi. Außerdem verströmte Schlubeck einen sehr großen, voluminösen Ton, den eine Traversflöte nur mit Mühe erreicht. Traumhaft der langsame Mittelsatz, traumhaft auch die Tänze aus Johann Sebastian Bachs Suite h-Moll mit der berühmten „Badinerie“.

„Splendor Baroque“ und Matthias Schlubeck wurden gefeiert. Gleich drei Zugaben waren fällig, die letzte war Bachs „Air“, die zum täglichen Beschallungsprogramm auf dem Prinzipalmarkt gehört. Dort aber „nur“ in der Version für CD-Player – und Panflöte.

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